„Können uns Abriss nicht verschließen“
DIE LINKE. Pirmasens: Widersprüchliche Angaben des Bauamtes zu Villa Loeser – trotz erheblicher Gefahren unverschlossen und frei zugänglich

Die Vorgänge um die sanierungsbedürftige Villa-Loeser weiten sich immer mehr zum politischen Skandal: auf Anfrage der LINKEN Pirmasens hat die Referentin der oberen Denkmalschutzbehörde in Mainz erneut bestätigt, dass eine Aufhebung des Denkmalschutzes für die Villa-Loeser weder beantragt wurde noch bekannt ist. Zudem legte die Referentin dar, dass zur Villa-Loeser seit Jahren eine umfangreiche Foto-Dokumentation inklusive einer akribischen Erfassung aller Bauschäden in Mainz vorläge, aber bisher keine Mittel für eine fachgerechte Restaurierung der Villa beantragt worden seien. Das Gebäude sei inzwischen so marode, dass man sich „einem Abriss deshalb nicht verschließen könne“.
Das Pirmasenser Bauamt als untere Denkmalschutzbehörde verstrickt sich derweil in widersprüchliche Aussagen. Auf Nachfrage erklärte eine Sachbearbeiterin, der Denkmalschutz wäre „nicht im Alleingang, sondern in Absprache mit Mainz aufgehoben worden“, um im Nachsatz zu erklären, die Villa-Loeser hätte jedoch „förmlich nie unter Denkmalschutz“ gestanden. Auf die Frage, warum die Villa-Loeser nicht in der Liste der verkäuflichen Baudenkmäler erscheine, erklärte die Sachbearbeiterin, dies sei „nicht nötig, da allgemein bekannt.“  Im Übrigen hätte man keine Sanierungsmittel beantragt, da dafür kein Geld vorhanden sei. Der Einblick in die schriftlichen Unterlagen des Bauamtes zu Einzelheiten des Falles Loeser wurde mit Hinweis auf den Datenschutz jedoch verweigert.
Laut Aussage des mit dem Verkauf des Anwesens beauftragten Maklers und CDU-Stadtrates Thomas Weiner, sieht der Fall jedoch ganz anders aus. Gegenüber der RHEINPFALZ sagte Weiner am 10. Oktober 2008, der Denkmalschutz für die Villa-Loeser sei bereits seit zwei Wochen aufgehoben, um die Sanierung der Villa zu erleichtern.

Dazu erklärt das Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der LINKEN Pirmasens, Architektin Dipl. Ing. Beate Wagner: „Die von uns aufgedeckten Widersprüche im Fall Villa-Loeser lassen nur einen Schluss zu: an eine fachgerechte Sanierung und Erhaltung als Baudenkmal wurde nie gedacht. Vielmehr soll durch die Aufhebung des Denkmalschutzes `unter der Hand` die Öffentlichkeit hinters Licht geführt und vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Den Beteiligten, allen voran Thomas Weiner, geht es um einen Abriss der Villa und möglichst gewinnbringende Vermarktung des Grundstücks. Deshalb wurden auch nie entsprechende Mittel für die Sanierung beantragt und das Objekt nicht in die Liste der verkäuflichen Baudenkmäler eingetragen, was unter Denkmalschutz-Gesichtspunkten ansonsten gängige Praxis ist. Der Hinweis, dass dies nicht nötig sei, ist absurd. Selbst weltbekannte Kulturobjekte finden sich in dieser Liste, wenn die Verantwortlichen tatsächlich am Erhalt als Denkmal interessiert sind.“

Das Gebäude an sich ist indes in einem erbarmungswürdigen Zustand. Nach Ansicht der Mainzer Denkmalschutzbehörde sind mindestens 80 Prozent der Bausubstanz inzwischen nicht mehr zu retten. Auch stelle die Villa-Loeser einen erheblichen Gefahrenherd dar. Nach Angaben des städtischen Bauamtes kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Einrüchen und Vandalismus. So ist der Kachelofen aus der Gründerzeit mutwillig zerschlagen worden und die Kacheln liegen zerstreut auf dem Fußboden.
Dazu erklärt der Vorsitzende der LINKEN Pirmasens, Frank Eschrich: „Der gefährliche Zustand im Innern der Villa ist der Stadt also bekannt. Trotzdem ist das einsturzgefährdete Gebäude unverschlossen und frei zugänglich, wie uns Zeugen berichteten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Missachtung der Verkehrsicherheitspflicht durch das Bauamt zu schweren Unfällen führen wird. DIE LINKE. Pirmasens fordert die Stadtverwaltung auf, zu den Vorgängen um die Villa-Loeser nun endgültig und öffentlich Stellung zu nehmen: Steht oder stand die Villa-Loeser unter Denkmalschutz und wenn ja, wann und auf welcher rechtlichen Grundlage wurde der Denkmalschutz aufgehoben und wurde dabei der vorgeschriebene behördliche Weg eingehalten? Zudem muss sofort dafür Sorge getragen werden, dass von dem maroden Gebäude keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit ausgeht.“

Beate Wagner, Mitglied Vorstand DIE LINKE. Pirmasens
Frank Eschrich, Vorsitzender DIE LINKE. Pirmasens