Grundstücksspekulation statt Sanierung?
DIE LINKE. Pirmasens: Von Aufhebung des Denkmalschutzes für Löser-Villa ist bei Landesbehörden nichts bekannt

Der bauliche Zustand der Villa-Löser ist mehr als traurig. Seit Jahrzehnten wurde hier nichts saniert. Von den rautenförmigen grünen Dachziegeln bis zu den wuchtigen Kellergewölben; innen wie außen ist nahezu alles im originalen Bauzustand. Dies hat absoluten Seltenheitswert in einer Stadt wie Pirmasens.
Bei dieser Sachlage ist die Unterstützung der Denkmalschutzbehörden normalerweise höchst willkommen, sollte man meinen. Alle Maßnahmen, die der Rettung der Substanz und der Wahrung des Erscheinungsbildes dienen, werden mit bis zu 50 Prozent bezuschusst. Dies gilt für baustatische Maßnahmen ebenso wie für Malerarbeiten; selbst stilistisch passende Lichtschalter sind im Förderkatalog enthalten. Obendrein ist die Grundsteuer um 50 Prozent ermäßigt und umfangreiche Sonderabschreibungen sind möglich.

Laut Zeitungsberichten und Aussagen des mit dem Verkauf beauftragten Maklers und CDU-Stadtrates Thomas Weiner soll jedoch der Denkmalschutz aufgehoben worden sein. Weiner begründet diesen „wichtigen Schritt“ mit den hohen Kosten einer Sanierung unter Denkmalschutzbedingungen, die ein „Hindernis“ für Investoren darstellen würden.

Dazu erklärt die Architektin Dipl. Ing. und Mitglied des Vorstandes der LINKEN Pirmasens, Beate Wagner: „Nachfragen bei den zuständigen Denkmalschutzbehörden in Trier und Mainz haben ergeben, dass Fördermittel für die Villa Löser nie beantragt worden sind. Ebenso ist die Aufhebung des Denkmalschutzes dort nicht bekannt.  Eine seriöse Kostenermittlung für die Sanierung hätte diesen Fördermittelaspekt jedoch beinhalten müssen. Obendrein wären bereits bewilligte Fördermittel für Investoren ein starkes Argument. Weshalb sollte ein Eigentümer auf all diese Vorteile verzichten? Vorausgesetzt, die historische Substanz soll erhalten werden, wäre eine Aufhebung des Denkmalschutzes blanker Irrsinn. Nun gibt es Fälle, in denen die Behörde von sich aus den Denkmalstatus entzieht. Diese Maßnahme rechtfertigt nur ein einziger Grund: Durch nachträgliche Um- und Anbauten ist das originale Erscheinungsbild so sehr entstellt, dass eine Rekonstruktion nicht mehr oder nur unter unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich ist. Dies ist bei der Villa-Löser jedoch nicht der Fall.
Für Grundstücksspekulanten allerdings sieht die Situation ganz anders aus. Ein Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, darf bekanntlich nicht abgerissen werden. Obendrein verpflichtet sich der Eigentümer, dem Verfall des Objekts zumindest Einhalt zu gebieten. In ausgewiesenen Flächensanierungsgebieten dagegen wird der Abriss von maroder, nicht unter Schutz stehender Substanz, ausdrücklich begrüßt und großzügig gefördert. Wurde die Villa Löser mit solchen Hintergedanken vom Denkmalschutz „befreit“?
DIE LINKE. Pirmasens fordert deshalb den Stadtrat auf, die nebulöse Aufhebung des Denkmalschutzes zu erläutern und den Interessenskonflikt des Stadtratmitglieds Thomas Weiner lückenlos und öffentlich aufzuklären. Wir fordern zudem Einsichtnahme in das Denkmalbuch der Stadt Pirmasens und die Offenlegung der Entscheidungen der unteren Denkmalbehörde in Pirmasens zum Thema Villa-Löser.
Es darf bezweifelt werden, dass zur Rettung dieses Prachtstücks alles Menschen mögliche getan wurde. Zu hoffen bleibt, dass die Entwicklung sich dennoch zum Guten wendet, so wie im Falle der gegenüber liegenden Villa Sertel. Auch deren Abriss war in den frühen 1980 er Jahren bereits beschlossene Sache. Der Bau des bedeutenden Pirmasenser Architekten Josef Uhl sollte Parkplätzen für das damals im Entstehen begriffene Badeparadies „Plub“ weichen. Dem Eingreifen einer Gruppe engagierter Denkmalschützer ist es zu verdanken, dass es anders kam. Obendrein hat sich für die gerettete Villa auch noch eine sinnvolle Verwendung gefunden.“

Beate Wagner, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand DIE LINKE. Pirmasens