Brauchtum in der Westpfalz – der Pfingstquack von Jürgen Hennchen
In einigen Dörfern rund um Kusel hat
sich ein Brauch erhalten der jedes Jahr zu Pfingsten gefeiert wird, der
Pfingstquack. Während der Brauch in einigen Dörfern in Vergessenheit geraten ist
oder gar völlig unbekannt ist, wird der Pfingstquack andernorts traditionell
gefeiert. In der Kuseler Gegend wird der Quack von den Schulkindern vom 6. bis
etwa zum 12. Lebensjahr gemacht.
Einige Tage vor Pfingsten treffen sich die Kinder des Dorfes, um einen Leiterwagen mit Ginster, in der Pfalz auch als Bremme bezeichnet, und Blumen zu schmücken. Dabei wird zunächst ein Gerüst aus langen Nussbaumruten auf einen kleinen Leiterwagen gespannt. In dieses Gerüst werden dann die gelb blühenden Ginster hinein geflochten. Zum Schluss, meist samstagabends, wird das Quackwägelchen noch mit Blumen ausgeschmückt. Mit dem geschmückten Leiterwagen ziehen nun die Kinder an Pfingstsonntag in aller Frühe los, und gehen von Haus zu Haus, wo sie ihren Quackspruch aufsagen. Der Quackspruch ist von Dorf zu Dorf unterschiedlich und so hat jedes Dorf seinen eigenen individuellen Quackspruch. In dem kleinen Dorf Oberalben bei Kusel lautet der Quackspruch wie folgt:
Quack, Quack,
Quack,
die Eier sinn gebackt.
Siwwe sinn gesode,
acht sinn gebrode,
nein leie in de Pann,
Speck und Eier wolle mer hann,
Eier oder Speck,
eher geh mer net vunn de Hausdeer eweg!
Die Jungen und Mädchen bekommen dann eine kleine Spende. Früher waren das tatsächlich Eier und Speck. Heute bekommen die Kinder in der Regel nur noch Geld. Haben die Hausbewohner was gegeben bedanken sich die Kinder mit dem Spruch:
Der gute, gute Mann,
der hat uns was gegeben,
un wenn mer nächscht Johr wiederkomme
soll er ach noch lewe.
Je nachdem, wer den Kindern etwas gegeben hat wird im Dankesspruch bedacht und so kann „Mann“ durch Frau, Kind oder Familie ersetzt werden. Bleiben die Jungen und Mädchen vor verschlossenen Türen stehen rufen sie:
Der böse, böse Mann,
der hat uns nichts gegeben
un wenn mer nächscht Johr wiederkomme
dann soll er nicht mehr lewe.
Doch das kommt eigentlich nicht vor. Allerdings kann es passieren, dass manch ein Neubürger aus seinem sonntäglichen Schlaf gerissen wird und erst einmal aufgeklärt werden muss, was es mit dem Pfingstbrauch auf sich hat. Aber bisher haben alle immer was gegeben und wissen nun was sie das nächste Jahr erwartet.
Wo der genaue Ursprung der Pfingstquack liegt ist nicht bekannt. Vermutlich handelt es sich bei diesem Brauch um einen Art Fruchtbarkeitskult. Eine weitere Erklärung der Pfingstquack ist, dass die Freude der Menschen am Erwachen der Natur zum Ausdruck gebracht werden soll und der Winter dabei symbolisch vernichtet wird. In früheren Jahren wurde ursprünglich ein Junge mit Ginster ausgeschmückt und durchs Dorf gezogen. Diesen bezeichnete man als den sogenannten „Booz“. Später wurde ein Junge in das ausgeschmückte Wägelchen gesetzt. Diesen bezeichnete man schließlich als den Quack. Doch das gehört alles der Vergangenheit an. Ebenso wie die Tatsache dass nur Jungen an der Quack teilnehmen dürfen und so hat die Emanzipation auch bei diesem alten Brauch Einzug gehalten.
Wer den Quack erleben will muss sich an Pfingsten sonntags morgens auf den Weg machen. Anzutreffen ist der Pfingstquack noch in Blaubach, Oberalben, Dennweiler-Frohnbach, Körborn, Matzenbach oder Gimsbach, um nur einige Orte rund um Kusel zu nennen.
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