– Von Wolfgang Feth –

Anlässlich der Ausstrahlung des Filmes „Gott“, das Drehbuch geschrieben von Ferdinand von Schirach, möchte ich folgende Anmerkungen zum Freitod machen:
Es ist schon eine wahnsinnige Faszination, wenigstens einmal im Leben „Gott“ spielen zu können: Nicht abwarten, bis wie auch immer irgendwann das Ende kommt, sondern selbst zu bestimmen, wann Schluss ist. Und weil dies für diejenigen, die diesen Weg gehen wollen, offensichtlich nicht so ganz einfach ist, sollen andere ihnen dabei helfen: Der Arzt soll eine Tinktur mischen, die dann das Ende schmerzlos herbeiführt. Welch glorreiche Aussichten!
Grundlage für diese Vorgehensweise soll der freie und aufgeklärte Wille jedes einzelnen sein. Als ob es das gäbe! Der Mensch für sich genommen ist eine Summe aus Geist, Körper und Seele. Wie das alles zusammenhängt, dass weiß niemand. Zwar kümmern wir uns schon seit Jahrtausenden um die Gesundheit des Körpers, um die Psyche immerhin schon seit dem vorletzten Jahrhundert, der Geist ist jedoch außen vor geblieben. Und ausgerechnet der soll nun die Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Anstatt dem aufgeklärten Willen nachzuhängen, sollten wir wissen, dass wir nichts wissen, dass unser Geist nur einen bescheidenen Teil des gesamten Menschen erfasst, dass alles viel zu komplex und viel zu unerforscht ist, als das wir tatsächlich in der Lage sind, für den ganzen Menschen eine Entscheidung zu treffen.
Hinzu kommen die Auswirkungen des Zeitgeistes: Derzeitig eine gewaltige Maschinerie an Einflüssen von Medien, die der einzelne eigentlich nicht mehr verarbeiten kann. Die Wünsche aus der Werbung, die Sehnsüchte aus dem Fernsehen, wo bleibt da das eigene?
Kann es deshalb überhaupt einen wirklich selbst bestimmten Willen zum Freitod geben? Wer maßt sich an, die Dauerhaftigkeit und die Ernsthaftigkeit eines solchen Willens feststellen zu wollen? Und wenn wir schon den Willen nicht zweifelsfrei erkennen können, so sollten wir uns hüten, einen solchen nicht feststellbaren Willen durch irgendwelche Aktionen zu unterstützen.
Freitode hat es schon immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Und wenn jemand so entschlossen ist, so sollte er es auch schaffen, eine Tötungsart zu wählen, die zum Erfolg führt. Ein Entschlossener sollte in der Lage sein, abgerissene Stricke, nicht wirksame Schüsse, oder sonstige untaugliche Tötungsmittel zu vermeiden. Hilfe eines anderen sollte er nicht in Anspruch nehmen.
Selbsttötungen haben auch ihren Ursprung in den sozialen Verhältnissen. Derzeit erlauben wir uns, die alte wehrlose Generation sozusagen abzuservieren und in Wohnanstalten unterzubringen. Dass dann der eine oder andere dabei durchdreht und sich selbst töten will, ist nicht verwunderlich. Vielleicht sollten wir uns anstatt um juristische Drahtseilakte und Zusammenmixen von Todestinkturen einmal darum kümmern, dass es bei der älteren Generation nicht mehr die Einsamkeit wie die gegenwertige gibt. Den Freitod wird man dadurch nicht verhindern. Aber wenn wir nur eine Menschenseele durch diese Anstrengung retten, hätten wir der aufs Überleben ausgerichtete Natur einen wirklichen Dienst getan.

Foto: Pixabay

 

 

 

 

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