– Phantastische Tierwesen: 157 neue Arten am Mekong entdeckt (Foto: Hoolock tianxing © FanPengfei) –

In der Mekong-Region wurden innerhalb eines Jahres insgesamt 157 neue Arten entdeckt. Das zeigt der neue WWF-Report „New Species on the Block“, der die Ergebnisse und Resultate hunderter Wissenschaftlern aus Laos, Vietnam, Thailand, Myanmar und Kambodscha zusammengetragen hat. Unter den Funden sind auch einige sehr phantastisch anmutende Exoten wie etwa eine Bergkröte (Ophryophryne elfina), die durch ihre Hörner entfernt an einen Elben erinnern soll. Gefunden wurde sie passender Weise in einem moosbewachsenen Nebelwald, den die Forscher „Elfenhain“ nennen. Oder der Skywalker Hoolock Gibbon (Hoolock tianxing), eine Affenart. Mit der Namensgebung outet sich der Entdecker als ein Fan des Franchise. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr drei verschiedene Säugetiere, 23 Fische, 14 Amphibien, 26 Reptilien und 91 Pflanzen, die neu beschrieben wurden. Zwischen 1997 und 2017 wurden damit in dieser Region 2.681 neue Arten entdeckt.

Allerdings steht es schlecht um diese auch namentlich so exotischen Tiere. „Der Skywalker Gibbon ist einer der 25 bedrohtesten Affenarten der Welt. Und daran ist kein Imperium Schuld, sondern wir“, so Dr. Stefan Ziegler, Referent für die Region „Greater Mekong“ beim WWF Deutschland. Massive Lebensraumzerstörung, riesige Wasserkraftanlagen und Wilderei im großen Stil machen nicht nur den Affen das Leben schwer, sondern bedrohen den gesamten Naturraum. Das „Goldenen Dreieck“, eine Region in der Thailand, Myanmar und Laos aufeinandertreffen, gilt als Hot Spot des illegalen Wildtierschmuggels.

„In der Mekong-Region gibt es vermutlich noch unzählige Arten, die die Wissenschaft nicht kennt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Wenn wir ihn verlieren, verschwinden Tiere und Pflanzen von deren Existenz die Menschheit nicht einmal wusste“, so Ziegler. „Unser Ziel muss es sein, die biologisch wertvollen Gebiete am Mekong grenzüberschreitend und dauerhaft zu schützen, sowie die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Gesunde und intakte Ökosysteme kommen dabei auch der lokalen Bevölkerung zugute.“ Beispielsweise würden viele der geplanten Flusskraftwerke im Mekong nicht nur die aquatische Artenvielfalt bedrohen, sondern auch die Ernährungssicherheit in Laos und Kambodscha gefährden.

Immerhin: Einige Anstrengungen zeigen mittlerweile Wirkung. Der Bestand der Mekong-Delfine in Kambodscha erholt sich langsam. Der WWF Thailand hat eine großangelegte Kampagne gegen den legalen Handel von Elfenbein gestartet. In Vietnam will die alte Kaiserstadt Hue bis zum Jahr 2020 den Verkauf und den Handel von Fleisch aus der Wildnis gänzlich unterbunden haben.(ps)

Beispiele für neuentdeckte Tier- und Pflanzenarten:

Hoolock tianxing: Der Skywalker Hoolock Gibbon ist eine der 25 gefährdetsten Affenarten der Erde. Der Entdecker outet sich durch die Namensgebung als Fan einer „weit, weit entfernten Galaxie“.

Dixonius kaweesaki: Dieser kleine Gecko wurde in Thailand entdeckt und hat eine Rennstreifen-ähnliche Markierung.

Gyiophis salweenensis: Kaum entdeckt und schon bedroht ist diese Schlange aus der Familie der Wassertrugnattern. Sie hat mit Lebensraumverlust durch die Landwirtschaft zu kämpfen.

Murina hkakaboraziensis: Zwei Welten, aber eine Frisur: die Lance Bass-Fledermaus. Gefunden wurde die Fledermaus in Myanmar nahe dem Himalaya. Ihren Namen verdankt sie Lance Bass von der Boy-Group *NSYNC, dessen Frisur eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kopffell der Fledermaus aufweist.

Ophryophryne elfina: Die äußerliche Verwandtschaft mit den Elben aus Mittelerde ist nur entfernt erkennbar bei dieser Kröte aus Süd-Vietnam.

Oreoglanis hponkanensis: Der (platte) Pfannkuchen-Wels ist durch den Klimawandel bedroht, denn er verbringt sein Leben in den kaltfließenden Gewässern des abgelegenen Hkakabo Razi-Schutzgebiets in Myanmar.

Schizostachyum cambodianum: Rodungen bedrohen diesen zwiebelförmigen Bambus.

Thismia nigricoronata: Kalkstein-Bergbau gefährdet den Lebensraum dieser neuentdeckten Pflanze.

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