– Interview mit Franz Wosnitza, Vorsitzender der FWG Landstuhl –

Westpfalz Journal: Sind Sie mit dem Ausgang der Wahl zufrieden?

Wosnitza: Den Ausgang der Wahl habe ich nicht zu beurteilen. Es sind die Bürger, die entschieden haben, das haben die Politiker zu respektieren. Unabhängig davon wundere ich mich über manche Ergebnisse: zum Beispiel über ca. 18% der AFD bei der Europawahl, es gewinnt der Stadtbürgermeister von der SPD, die aber gleichzeitig 3 Sitze im Stadtrat verliert. Aber letztendlich respektiere ich die Wahl so wie sie ausgegangen ist.

Westpfalz Journal: Was sind die wichtigsten Ziele der FWG für die nächsten 5 Jahre?

Wosnitza: Als erstes Ziel müssten wir die Atmosphäre im Stadtrat verbessern. Der Respekt und die Akzeptanz des anderen soll verbessert werden, vorhandenes Wissen soll mit den anderen ausgetauscht werden. Um dieses Ziel konkret zu machen, möchten wir nach der ersten Stadtratssitzung am 13.08.2019 den gesamten Stadtrat zu einem Bier und zu einer Wurst einladen, um eben eine bessere Zusammenarbeit untereinander zu erreichen.Ein weiteres Hauptziel ist die Nutzung des derzeit für ein Gewerbegebiet vorgesehene Fleischackerloch in ein Wohngebiet. Der Vorteil hiervon wäre, dass die gesamte Infrastruktur vorhanden wäre: ein Einkaufszentrum gegenüber, die vorhandene Bushaltestelle, ein Waldweg für die Kinder und Fußgänger zu den Schulen oder zur Innenstadt. Dieses Wohngebiet wäre nicht ein weiterer verkehrsproduzierender Satellit, sondern wäre ein Bestandteil der Stadt Landstuhl und es ist die letzte Möglichkeit in der Kernstadt eine Wohnbebauung anzubieten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich durch ein Wohngebiet auch die Einnahmenseite der Stadt Landstuhl im Verhältnis zu einem Gewerbegebiet erheblich verbessern würden der Bezug auf imaginäre Gewerbesteuereinnahmen ist eine Luftbuchung ohne festen Bezug. Ein weiteres Ziel ist die Einrichtung des dringend notwendigen Kindergartens im Zusammenhang mit der Errichtung einer Jugendherberge. Wir dachten dabei an das sogenannte Waisenhaus, wo Gebäude und Ressourcen für beide Projekte zur Verfügung stünden. Außerdem könnten dann die Freizeiteinrichtungen so gestaltet werden, dass sie vom Kindergarten und von der Jugendherberge benutzt werden können. Die geplante Satelitenstadtteil Rothenborn muss storniert werden. Dort ist ein Baugebiet kontraproduktiv und ein Gewerbegebiet eher sinnvoll. Es würde so keinerlei Lieferverkehr für die Stadt produziert da der Autobahnanschluss in unmittelbarer Nähe ist.
Als weiteres Ziel möchten wir einen Umwelt- und Verkehrsausschuss einrichten, der mit Stadtratsmitgliedern, aber auch mit sachverständigen Bürgern besetzt werden soll. Diesem Ausschuss sollen Aufgaben vorgegeben werden wie zum Beispiel Verkehr, Radwegenetz, Umweltschutzmaßnahmen, Energiemanagement und weitere Maßnahmen wie zum Beispiel Fotovoltaikanlagen oder Bienenwiesen (auf öffentlichen und privaten Flächen). Auch der Verkehr soll endlich auf den neusten Stand weiterentwickelt werden, dies insbesondere in dem Projekt Stadtumbau.
Einigkeit macht stark und das brauchen wir wenn wir Landstuhl entwickeln wollen.

Westpfalz Journal: Wie sieht es mit der Haushaltsverschuldung aus, die in den letzten 5 Jahren noch schlimmer als bereits gehabt, geworden ist. Einschneidende Maßnahmen oder Kosmetik?

Wosnitza: Auf der einen Seite muss die Einnahmenseite verbessert werden. Ein Haushalt kann nicht nur dadurch saniert werden, dass man an der Portokasse geringe Beträge einspart. Das sehen wir ja an den Ergebnissen. Da wird an Altenfahrt und Vereinsförderung gespart und die Verschuldung steigt in Millionenhöhe. Das kann es nicht sein! Darüber hinaus muss bei Bau und anderen Projekten dafür gesorgt werden, dass diese wesentlich günstiger als derzeit errichtet werden. Da werden irre Kosten mit Gutachter, Planung und Bauausführung produziert und hinterher ist für die Baumängel keiner mehr zuständig.  

Westpfalz Journal: Soll das Thema Wirtschaftsförderung in der Stadt Landstuhl, in den letzten 5 Jahren kaum Thema, einmal angegangen werden?

Wosnitza: Das Verhältnis zur täglichen Wirtschaft muss erheblich verbessert werden, es soll ein ständiger Dialog zwischen Gewerbetreibenden und der Stadt stattfinden. Darüber hinaus können viele Maßnahmen durch Einnahmen aus EU- und Bundesmittel verbessert werden. Dies mag kompliziert sein, aber dafür braucht man Fachpersonal und das ist gut angelegtes Geld. 
Es besteht darüber hinaus auch die Möglichkeit, mit der Wirtschaft der Region gemeinsame Projekte zu unternehmen, sodass durch diese Unterstützung zusätzlich etwas erreicht werden kann.

Westpfalz Journal: Thema Kultur: Kann sich die Stadt Landstuhl einen solch immensen Kulturhaushalt leisten, kommen da andere Dinge wie zum Beispiel die Förderung des Sportes nicht zu kurz?

Wosnitza: Der bisherige Kulturausschuss soll um den Bereich Vereine erweitert werden.Darüber hinaus soll dem neu geschaffenen Ausschuss spezifiziert Aufgaben zugewiesen werden. Diese Aufgaben betreffen das gesamte Kulturleben (Stadtfest, Weihnachtsmarkt, Sommernächte Alter Markt, Wanderungen, Burgfeste, Stadthallenprogramm und Ergänzungen) in der Stadt, das heißt, dieser Ausschuss soll maßgeblichen Einfluss haben.
Die Vereine der Stadt sollen integriert und in das Kulturleben mit einbezogen werden.

Wir brauchen unsere Vereine. Sie sind die ehrenamtlichen Dienstleister unserer Gesellschaft und werden stiefmütterlich behandelt. Das muss sich ändern!

Westpfalz Journal: Wie wollen Sie Ihre Ziele erreichen?

Wosnitza: Die Idee ist eine „Ratsherrentafel“ zu gründen, der alle Stadtratsmitglieder und sachverständigen Bürger angehören. Dieser trifft sich in loser Folge außerparlamentarisch, Bei diesen Treffen sollen Themen des Rates vorab in entsprechender Atmosphäre besprochen werden, bevor sie in den Stadtrat oder in die Ausschüsse kommen. Darüber hinaus soll diese Tafel einmal im Jahr ein Fest veranstalten, der Erlös soll städtischen Projekten zur Verfügung gestellt werden. Schließlich soll eine Webseite eingerichtet werden, als Begleitmaßnahme der Idee bei der dann Bürger sich mit Anregungen und Kritik melden können.

Westpfalz Journal: Herr Pfaff, ehemaliges Mitglied der FDP, wurde auf Platz 3 der Liste, Sie wurden als Vorsitzender der FWG auf Platz 2 gewählt. Was sagen Sie dazu?

Wosnitza: Zwischenzeitlich wurde ich von unserer Fraktion zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Innerhalb der Fraktion besteht ein großes Verständnis, dass Herr Crusius bei der Stadtratswahl wenige Stimmen mehr als ich hatte spielt keine Rolle. Schließlich bin ich ja auch in den Kreistag gewählt worden

Westpfalz Journal: Beisitzerwahlen stehen bald an. Beansprucht die FWG einen Posten?

Wosnitza: Ja, über die genaue Vorgehensweise haben wir Stillschweigen vereinbart.

Westpfalz Journal: Klimawandel ist derzeit ein großes Thema. Soll die Stadt Landstuhl aktiv werden?

Wosnitza: Sehr! Deshalb haben wir und möchten wir den Umweltschutz als neuen Ausschuss einrichten. Mir ist es ein Dorn im Auge, dass Landstuhl diesbezüglich sehr passiv ist, dass man in Landstuhl den Eindruck haben könnte, dass der Klimawandel kein Problem ist.

Westpfalz Journal: Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich?

Wosnitza: Ich komme gerade vom Herzdoktor, ich wünsche mir gute Gesundheit. Aber nicht nur für mich, sondern für ALLE, besonders diejenigen, die sich ehrenamtlich für die Landstuhler Politik engagieren und einsetzen. Ich meine, dass dieses ehrenamtliche Engagement ein Wort und ein Dankeschön wert ist.
Die Arbeit im Stadtrat soll Spaß machen und dazu brauchen wir eine gute Gemeinschaft. weil Ich bin der Auffassung, das Spaß und Freude auch zu mehr Erfolg führt.

Das Interview führte für das Westpfalz-Journal Wolfgang Feth.

 

 

Sommerinterviews mit den Partei- und Wählergruppenvorsitzenden der Stadt Landstuhl.
Bereits stattgefunden
(auf das Bild klicken):

Sabine Schäfer, neues Mitglied im Stadtrat für die Linken und Peter Hirschberger-Nickel, ebenfalls Parteimitglied

 

Elke Dick, CDU

 

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