– Eindringlicher Vortrag von Roland Paul zur Deportation –

Der Vortrag reihe sich ein in mehrere Veranstaltungen, mit denen der Bezirksverband Pfalz an die Deportation der pfälzischen Juden nach Gurs vor 80 Jahren erinnere, sagte Institutsdirektorin Dr. Sabine Klapp zu Beginn in der Pfalzbibliothek in Kaiserslautern. Die Bürckel-Wagner-Aktion sei akribisch vorbereitet worden. „Die ungeheuerliche und systematische Massendeportation steht im Mittelpunkt des Vortrags von Roland Paul, einem ausgewiesenen Kenner der Materie.“ Schon zu Beginn wies der ehemalige Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde und derzeitige ehrenamtliche Leiter der Arbeitsstelle für jüdisches Leben in der Pfalz darauf hin, dass „die Verschleppung für viele in Auschwitz und Majdanek ein schreckliches Ende nahm“. Zunächst beleuchtete er die Vorschichte: Über Generationen hätten die jüdischen Bürgerinnen und Bürger nahezu unbehelligt in der Pfalz gelebt, viele ihren Dienst im Ersten Weltkrieg getan. Mit dem Erstarken der NSDAP habe dann die Diskriminierung den Alltag bestimmt, unter anderem seien an den Ortseingängen judenfeindliche Schilder aufgestellt worden. Die Demütigungen hätten zum Wegzug in größere Städte und zu Auswanderungen geführt; so seien zwischen 1933 und 1940 schätzungsweise 4.500 Juden ins Ausland gegangen. Höhepunkt der Verfolgung seien die Pogrome im November 1938 gewesen.
Am 22. Oktober 1940 wurden mehr als 6.500 Juden aus der Pfalz, Baden und dem Saarland ins südwestfranzösische Gurs deportiert, innerhalb kurzer Zeit mussten sie abmarschbereit sein und durften nur wenig Gepäck mitnehmen. Unter den 824 pfälzischen Juden seien 63 Kinder, wovon zwei nur wenige Monate alt waren, und 86- und 87-jährige Greise gewesen. Das Vermögen der Juden sei beschlagnahmt, ihr Hausrat und später auch ihre Immobilien seien versteigert worden. Es beeindruckte, dass Roland Paul alle Namen der 46 Deportierten aus Kaiserslautern vorgelesen hat. Mit Briefen unter anderem von Margot Wicki-Schwarzschild und Gretl Drexler füllte er die von ihm geschilderten Fakten mit Leben. Darin wurden auch die katastrophalen gesundheitlichen und hygienischen Verhältnisse deutlich. Ab März 1941 seien viele in kleinere Nebenlager verlegt worden; 358 der pfälzischen Juden seien über Drancy nach Auschwitz gebracht und ermordet worden. „Es ist wichtig, dass wir an diese schweren Schicksale erinnern, damit die Menschen nicht vergessen werden“, sagte Roland Paul abschließend. Nach seinem Vortrag beantwortete er die interessierten Fragen der Besucherinnen und Besucher vor Ort und der rund 170 Zuhörerinnen und Zuhörern im Livestream. (ps)

 

 

 

 

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