Für ihre Dissertation zur Tierernährung ist Dr. Dörte Frieten von der H. Wilhelm Schaumann Stiftung bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie in Göttingen ausgezeichnet worden. Die wissenschaftliche Arbeit entstand in der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle bei Münchweiler an der Alsenz und wurde im vergangenen Herbst veröffentlicht. Frieten, die von Prof. Dr. Klaus Eder von der Universität Gießen, Privatdozent Dr. Harald Hammon vom Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere in Dummerstorf, Dr. Christian Koch vom Hofgut Neumühle und Prof. Dr. Georg Dusel von der Technischen Hochschule Bingen betreut wurde, erhielt eine mit 1.000 Euro dotierte Urkunde.

Die Tierärztin führte von Juni 2014 bis Juni 2015 im Hofgut Neumühle ein Fütterungsversuch mit 64 Kälbern der Rasse Deutsche Holstein durch. Sie untersuchte über die ersten elf Lebenswochen der Tiere, inwieweit die tägliche Milchmenge das Wohlbefinden und das Wachstum sowie den Stoffwechsel beeinflusste. Hierzu durfte eine Gruppe mit 32 Kälbern so viel Milch trinken, wie sie wollte, und die andere ebenso große Gruppe erhielt eine zugeteilte Ration von sechs Litern, wie dies Milchviehhalter seit Jahrzehnten praktizieren; zusätzlich wurden jeweils 16 Kälber jeder Gruppe mit einem buttersäurehaltigen Milchaustauscher getränkt, um den Einfluss der als gesundheitsfördernd geltenden Buttersäure auf die Entwicklung des Magen-Darm-Traktes und Immunsystems zu untersuchen.

Der Versuch förderte interessante Ergebnisse zutage. Es zeigte sich, dass die Kälber, die ihre Milchmenge selbst bestimmen konnten, oft doppelt so viel tranken wie jene, die eine feste Menge erhielten. Dadurch wuchsen sie deutlich mehr und legten auch stärker an Gewicht zu. Es ließ sich auch feststellen, dass die besser ernährten Kälber weniger krank waren beziehungsweise besser mit einer Erkrankung klar gekommen sind. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass der Dünndarm der Tiere, über den die Nährstoffe aufgenommen wird, fast drei Meter länger war, die Darmgesundheit und -leistung sowie das Zottenwachstum besser waren und dass die Nährstoffe besser genutzt werden konnten. Darüber hinaus stellt der Darm das größte Immunsystem im Körper dar, das durch eine erhöhte Nährstoffaufnahme besser ausgebildet werden konnte. Insgesamt hatte die täglich erhöhte Milchmenge deutlich positiveren Einfluss auf die Gesundheit der Tiere als die Gabe von einem buttersäurehaltigen Milchaustauscher.

Mit dem Projekt beschäftigte sich neben Frieten noch eine weitere Doktorandin: Caroline Gerbert untersuchte das Tränkeverhalten, Wohlbefinden und die Entwicklung und Prägung des Immunsystems der Kälber. Die in Englisch verfasste Dissertation von Dr. Dörte Frieten, die den übersetzten Titel „Effekte einer intensiven Milchaustauscherfütterung und von Butyrat auf das Wachstum und den Intermediärstoffwechsel von Kälbern“ trägt, ist unter http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13711/ abrufbar.(ps)

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