Nachdem der Mann verstorben war, ist sie alleine. Sie wohnt noch in der früheren Wohnung, alles erinnert an eine glückliche Zeit. Jetzt aber ist sie alleine auf sich gestellt. Kinder hat sie keine, aber was würde dies auch schon groß ändern. Die Zeiten der Großfamilien sind lange vorbei, jede Generation wurschtelt sich alleine durchs Leben. Langt das Geld nicht, so springt nicht etwa die Familie ein, sondern der Staat. Klappt es nicht mehr mit der Regelung der eigenen Angelegenheiten, so springt nicht etwa die Familie ein, sondern der Staat. Ob das jemals jemand gewollt hat, sei dahingestellt, auf jeden Fall hat es sich so ergeben. Und jetzt alleine. Tag ein Tag aus alleine. Vielleicht dem Seniorenkreis anschließen, aber ganz so einfach ist das auch nicht. Hat man zeitlebens Vereine und Kaffeekränzchen gemieden, wie soll das auf einmal im Alter funktionieren. Eine Unterbringung im Altenheim als Ausweg? Altenheime sind meist Pflegeheime und überall schwingt das Warten auf den Tod mit. Ob dies ein Mittel gegen die Einsamkeit ist, sei dahingestellt. Aber wirtschaftlich geht es uns ja gut. Die neuesten Automodelle wurden auf den letzten Autosalon vorgestellt, die Digitalisierung ist ein Stück weiter geschritten, wir können jetzt von jedem Punkt der Erde aus unsere Rollläden am Haus öffnen und schließen. Nur, der Einsamen nützt dies alles nichts. Im letzten Lebensabschnitt die bittere Last der Einsamkeit, keine Seltenheit in unserer ach so entwickelten und fortschrittlichen Gesellschaft.

von Wolfgang Feth

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