Der Landstuhler Autor und Historiker der pfälzischen Geschichte Karlheinz Schauder, ein profunder Kenner Franz von Sickingens, widmete sich unter anderem in seinem Buch „Westpfälzische Sagen“ einem ganz anderen Themenbereich. Der Pfälzer Wald und die westpfälzische Moorniederung erwiesen sich als besonders günstige Gegend für spannende Erzählungen.
Der Begriff „Sage“ wurde durch die Gebrüder Grimm geprägt und lässt sich mit Märchen und Legenden vergleichen. Eine Sage basiert auf einer mündlichen Überlieferung und das Natürliche und Übernatürliche vereint sich darin. Sagen greifen die Geschichten einer Gegend und deren Menschen auf. Die natürliche Umwelt, z.B. Moore, Wälder, Wiese sowie der Charakter der Bevölkerung werden von wirtschaftlichem und historischem Geschehen geprägt. Für den Autor und Historiker bietet die Pfalz einen großen Nährboden an Sagen. Die zerfallenen Burgen, Klöster und verwunschenen Plätze geben einen passenden Hintergrund für unheimliche Geschichten und Erzählungen.
Schauders Buch „Westpfälzische Sagen“ enthält auch ein Kapitel über die Sage der Sickinger Würfel. Sie handelt von Franz von Sickingen, der als einflussreicher Ritter und gefürchteter Feldhauptmann vom Volksmund mit überirdischen Kräften ausgestattet wurde. Trotz seiner eher kleinen Größe wird er häufig als „Riese“ beschrieben. Es gibt mehrere Erzählungen über seine Kraftproben. Eine der bekanntesten Sagen dazu ist die Sage um die Sickinger Würfel. In Landstuhl soll es drei Quadersteine gegeben haben, die nur Franz heben und werfen konnte. Diese lagen schon jahrelang vor der Burg Nanstein und auf ihnen zeichneten sich merkwürdige Figuren und Symbole ab. Irgendwann wurde diese bekannte Situation der Umwelt erzählt und so entstand daraus eine Sage. Die Sage handelt davon, dass Franz von Sickingen in der Stunde der Entscheidung die Würfel befragte und sie schließlich den Berg hinab warf. Diese Sage ist in der Umgebung um Landstuhl weit verbreitet. Karlheinz Schauder geht in dem betreffenden Kapitel auf das früheste Gedicht zu diesen Ereignissen von Laurian Moris in dem Band „Die Sagen der Pfalz aus dem Munde des Volkes und deutscher Dichter“ ein. Autor und Lehrer Jakob Böshenz wurde mit seinem Gedicht ebenfalls in diesem Kapitel erwähnt. Die Textstelle „Er schleudert ins Dunkel die Steine weit: „Auf Nimmerwiedersehen!“ (Schauder 2007: 137) zeigt die Enttäuschung Franz von Sickingens über das verlorene Würfelspiel sehr deutlich. Die Dichter Lorenz Wingerter und Heinrich Kraus wurden im Zusammenhang mit den Sickinger Würfeln ebenfalls genannt.
Karlheinz Schauder, am 22. September 1931 in Mannheim geboren, war zuletzt als Postoberamtsrat tätig. Neben seiner beruflichen Tätigkeit widmete er sich der Heimatkunde und der pfälzischen Geschichte. Er veröffentlichte diverse Literatur zum Themenschwerpunkt Franz von Sickingen. Stellvertretend können die Werke „Franz haiß ich – Franz pleip ich“ – Das Sickingen-Lesebuch. Stimmen und Bilder aus fünf Jahrhunderten“ sowie „Franz von Sickingen – Biographie. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde“ genannt werden. Zu dem Ritter des Nansteins publizierte er auch Beiträge in Zeitschriften, Jahrbüchern und Heimatbüchern. Seine Spezialgebiete sind heute die christliche Dichtung, die literatur-topographische Untersuchungen und Geschichte der Sickinger. Er veröffentlichte im Rahmen der Sachliteratur Essays und Hörfolgen. Schauder erhielt viele Preise, wie zum Beispiel die Franz von Sickingen-Ehrenmedaille 2003 sowie die Auszeichnung die Feder des Landkreises 2015 (Unikat). Seine zahlreichen Publikationen reichen von selbstständigen Veröffentlichungen, eigenen Herausgaben, Beiträgen in Sammelbänden bis hin zu Texten in Zeitschriften und Jahrbüchern. (red)

 

 

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