-Universitätsdozent experimentiert beim Pädagogischen Tag der Kreissparkasse Kaiserslautern-

Die Kommunikationsfähigkeit von Schülern als eine der Voraussetzungen für eine gelingende Bewältigung des Alltags haben Lehrer beim diesjährigen Pädagogischen Tag in der Kreissparkasse Kaiserslautern besprochen.

Sichtlich beeindruckt zeigte sich Kai Landes, Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Kaiserslautern, von der Darstellung einer Szene aus Max Frischs „Andorra“, die Schüler der Berufsbildenden Schule II Wirtschaft und Verwaltung auf die Bühne im Deutschordensaal brachten. Zu welchen schrecklichen Ergebnissen manche sprachliche Kommunikation führen kann, deuteten die Jugendlichen mit der von ihnen ausgewählten Szene an. „Sprachkompetenz und Kommunikationsfähigkeit müssen erlernt und eingeübt und besser noch: erfahren werden“, sagte Landes und hob damit die überragende Bedeutung dieser Fertigkeiten „für einen erfolgreichen Bildungsweg, ja, erfolgreiches Leben“ hervor. Welche große Begeisterung kindlich-jugendliche Neugier hervorbringe, könne man immer wieder beim Wettbewerb „Jugend forscht“ miterleben, den die Kreissparkasse als Patenunternehmen seit vielen Jahren unterstützt.

Der Vorsitzende des Pädagogischen Beirats, Leitender Regierungsschuldirektor Gerhard Dohna, verwies auf die „empfindliche Schnittstelle“ zwischen sprachlichen und naturwissenschaftlichen Fächern an Schulen. Diese gelte es zu betrachten, insbesondere, welche Synergien von naturwissenschaftlicher und sprachlicher Bildung bestehen und genutzt werden können. Denn es sei eine „Brisanz der Entwicklung“ im naturwissenschaftlichen Bereich festzustellen; lediglich sechs Prozent der Schüler erreichten trotz ihrer zunächst positiven Grundeinstellung einen höchsten Bildungsabschluss.

Über seine langjährigen Erfahrungen mit einem Modellprojekt im Ruhrgebiet mit naturwissenschaftlichen Experimenten im sprachsensiblen Unterricht referierte Dr. Rupert Scheuer von der Technischen Universität Dortmund. Er führt Aus- und Fortbildungen für Grundschullehrer durch, bietet Experimentalworkshops für Kinder an und leitet ein Projekt zur Sprachförderung durch naturwissenschaftliches Experimentieren im Primarbereich. „Wir brauchen Sprachkompetenz und zugleich naturwissenschaftliche Kompetenz, um im Alltagsleben Entscheidungen treffen zu können“, skizzierte Scheuer die Lehrabsicht. Erkenntnisse aus Studien zeigten, dass sich „sprachliche Defizite kumulativ in anderen Sachfächern auswirken“. Daher müsse dafür gesorgt werden, dass Schüler ihren Wortschatz durch sprachbegleitetes Handeln erweitern, so Scheuer. Der rheinland-pfälzische Lehrplan sehe lobenswerterweise bereits eine „enge Verbindung von Sache und Sprache“ vor.

Scheuer stellte beispielhaft Umsetzungswege vor und demonstrierte an in der Praxis erprobten Unterrichts-Arbeitsblättern wie zielgerichtet Materialien eingesetzt werden können. Im Unterricht sollten Sprechanlässe geschaffen werden und zum Schreiben motiviert werden. Denn er wisse, „Schüler lieben das Experimentieren, aber nicht das Dokumentieren“. Welche eindringlichen Erfahrungen man selbst durch einfaches Experimentieren machen kann, zeigte Scheuer noch gleich im Deutschordensaal und ließ z. B. Brause-Raketen aufsteigen, Luftballons platzen und „Surfer“ vor „Haien“ flüchten und demonstrierte damit die Kraft des Geschichtenerzählens bei der Vermittlung von naturwissenschaftlichen Inhalten. Als „Gelingensfaktoren“ machte er eine sprachlich und fachlich strukturierte Umgebung, ein angepasstes Anspruchsniveau und das Anhalten zu Selbsttätigkeit aus, denn „jeder Sprachunterricht braucht Sachen, jeder Sachunterricht braucht Sprache“. (ps)

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