Befremdliche Post – um es halbwegs neutral auszudrücken – haben die Mitglieder der Fördergemeinschaft Sickingenstadt Landstuhl dieser Tage vom Vorstand des Zusammenschlusses hiesiger Einzelhändler und Dienstleister auf elektronischem Wege erhalten. Die E-Mail trägt den Betreff „Umfrage“ und dreht sich – wen wundert’s? – um den Einbahnstraßen-Probebetrieb in der Kaiserstraße.
In der Tat finden sich am Fuß des recht umfänglichen Schreibens zwei Fragen, mit denen um die Meinung der E-Mail-Empfänger gebeten wird, wobei es sich genauer betrachtet um eine Art Abstimmung handelt. Dabei haben die Adressaten der elektronischen Post die Wahl zwischen dem „aktuellen Modell“ samt dessen „endgültiger“ Umsetzung und den Verkehrsvorschlägen, die in einem Konzept erarbeitet wurden, das im Zuge des Innenstadtumbaus von einem Planungsbüro für Landstuhl erarbeitet wurde.
Um die Entscheidung zu erleichtern, rufen die Verfasser der E-Mail vor der eigentlichen Fragestellung bei den Lesern zunächst nochmal in Erinnerung, was aktuell gerade in Landstuhl erprobt wird, wie die Eckdaten des Versuchsbetriebs aussehen und gehen dann sehr ausführlich auf die Ergebnisse ein, zu denen das Planungsbüro bei seiner Untersuchung kam. Dabei sparen die Verfasser der E-Mail nicht an Worten, an fett gedruckten Passagen und sogar an Textstelen, die fett gedruckt und unterstrichen sind, um ja nicht der Aufmerksamkeit des geneigten Lesers zu entgehen, der angesichts der Wortfülle der E-Mail leicht einnicken oder in einen Dämmerzustand verfallen könnte, bevor er zur den eigentlichen Fragen und damit dem Zweck der E-Mail gelangt. Wobei man bei genauem Hinsehen durchaus den Eindruck bekommen könnte, die so hervorgehobenen Passagen kennzeichneten die Meinung der Verfasser, von der man gerne hätte, dass sie vom Leser übernommen wird, bis dieser bei den beiden Fragen angekommen ist
Kurzum, das Schreiben vom Vorstand der Fördergemeinschaft ist derart manipulativ verfasst, dass es schon keine Vermutung sondern Tatsache ist, damit Stimmung gegen den Probeverkehr und die Erkenntnisse, die daraus für die spätere Verkehrsführung durch die Innenstadt gezogen werden können, zu machen. (red)
Um sich selbst ein Bild davon machen zu können, veröffentlichen wir hier die E-Mail im Wortlaut:

Liebe Mitglieder, 

zurzeit wird in Landstuhl ein neues Verkehrskonzept getestet mit folgenden Eckdaten: 

1) Im Bereich „Pallmanns Eck“ fallen die Verkehrsampeln weg und stattdessen wird dort ein Verkehrskreisel gebaut

2) Der Bereich zwischen Rathaus und Pallmanns Eck wird Einbahnstraße und ist nur noch aus Kindsbach kommend befahrbar, nicht jedoch mehr aus Hauptstuhl kommend in Richtung Kindsbach. Die entsprechende Fahrspur soll vollständig in Wegfall geraten und stattdessen dort Parkplätze geschaffen werden. 

3) Dieser Verkehr soll stattdessen die Bahnstraße nutzen oder aber mehr oder weniger ungeregelt über den Alten Markt oder die Kanalstraße abfließen. 

4) Der Verkehr aus der Hauptstraße wird über eine abknickende Vorfahrtstraße bevorrechtigt in die Innenstadt abgeleitet. Der Verkehr aus Kindsbach und aus der Lindenstraße ist wartepflichtig. 

5) Der Verkehr aus der Hauptstraße kann in alle Richtungen (Kaiserstraße Richtung Kindsbach, Kaiserstraße Richtung Innenstadt, Lindenstraße) abfließen. Der Verkehr aus der Kaiserstraße kann weiter geradeaus fahren oder in die Lindenstraße abbiegen. Der Verkehr in der Lindenstraße kann nur nach rechts in die Kaiserstraße abbiegen. 

Dieses aktuell getestete Konzept entspricht in wesentlichen Teilen nicht der Empfehlung des Verkehrsplanungsbüros, sondern weicht erheblich von diesem ab. Lediglich der Kreisel am Pallmanns Eck entspricht hier noch den Empfehlungen des Büros. Nicht dagegen mehr die sonstigen Regelungen in der Kaiserstraße im Bereich Rathaus bis Pallmanns Eck sowie die Regelung des Abflusses des Verkehrs aus der Hauptstraße. Hiervon, d.h. von der Schaffung einer Einbahnregelung im Bereich Rathaus bis Pallmanns Eck sowie der Regelung des Abflusses des Verkehrs aus der Hauptstraße im Wege der abknickenden Vorfahrt rät das Planungsbüro aus nachfolgenden Gründen ausdrücklich ab:

1) Verlagerung des Verkehrs im Süden von der Kaiserstraße in die Bereiche Ludwigstraße-Kanalstraße-Hauptstraße, Ludwigstraße-Alter Markt-Hauptstraße, Ludwigstraße-Weiherstraße-Hauptstraße sowie im Norden von der Kaiserstraße in die Eisenbahnstraße und von dort über die Bahnstraße in das Römerviertel, wobei von einer Verlagerung vor allem auf die Route über den Alten Markt ausgegangen wird. Ausdrücklich wird im Gutachten festgestellt, dass eine Verlagerung des Verkehrs in diese Bereiche in allen Fällen weniger verträglich ist als aktuell in der Kaiserstraße. 

2) Nach dem Verkehrskonzept des Fachplanungsbüros soll der Parkplatz hinter der Stadthalle zentral aus allen Richtungen anfahrbar sein. Das Konzept sieht daher vor, dass der Verkehr aus Hauptstuhl vor dem Forsthaus nach links in die von-Richthofen-Straße einbiegen kann, um dann auf diesen Parkplatz zu gelangen. Diese Möglichkeit besteht nach dem aktuell getesteten Konzept nicht. Die nach dem Konzept der Planer vorgesehene erleichterte Erschließung des Parkplatzes hinter der Stadthalle fällt also weg. 

3) Die Kappung der Fahrspur in Richtung Kindsbach wird im Bereich der Kaiserstraße aufgrund der hohen Belastung in Fahrtrichtung Hauptstuhl nicht wahrnehmbar sein, wohl aber in den Nebenstraßen, auf die sich der Verkehr verlagert. 

4) Das Argument der Gewinnung von Parkplätzen lassen die Gutachter nicht gelten. Die Begutachtung hat ergeben, dass auch nach Wegfall von Parkplätzen in der Kaiserstraße vorne (Hotel Christine-Pallmanns Eck) weiterhin genug Parkplätze zur Verfügung stehen. Diese müssen allerdings neu strukturiert werden. Im Übrigen wird der ein- und ausparkende Verkehr an dieser Stelle als ein Unfallrisiko gesehen. 

5) Da für den Radverkehr wiederum im Falle der Beibehaltung der Einbahnregelung in dem Bereich Rathaus bis Pallmanns Eck ein Radfahrstreifen geschaffen werden muss, wird sich in diesem Bereich insgesamt nur ein Platzgewinn von voraussichtlich ca. 2 m ergeben. 

6) Die Regelung des Abflusses des Verkehrs aus der Hauptstraße im Wege der abknickenden Vorfahrt sei möglich, führe allerdings zu Beschränkungen der Gestaltungsmöglichkeiten für den Verkehr aus der Lindenstraße und aus der Kaiserstraße, da von dort aus nicht mehr in alle Richtungen weitergefahren werden kann, wie es jedoch bei einem Kreisel möglich wäre. 

Insgesamt wird das aktuell getestete Verkehrskonzept aus Sicht des Fachbüros im Falle einer Einbahnregelung im Bereich Rathaus bis Pallmanns Eck zu mehr Umwegfahrten und zu einer Verschlechterung der Erschließung des Stadtzentrums führen. Unserer Auffassung steht für uns Geschäftsleute die Erschließung der Innenstadt allerdings an oberster Stelle, da jede Verschlechterung der Erschließung im Zweifel auch ein Weniger an Kunden bedeutet.

Deshalb empfiehlt das Planungsbüro für den Bereich Hauptstraße bis Pallmanns Eck nachfolgendes Konzept: 

1) Beibehaltung der Gegenläufigkeit im Bereich Rathaus bis Pallmanns Eck, so dass weiterhin die Möglichkeit besteht, in der Innenstadt ohne Umwege von West nach Ost zu kommen und damit Erhalt einer wichtigen Verbindungsstraße innerhalb der Innenstadt. 

2) Schaffung eines Minikreisels im Bereich Hauptstraße/Kaiserstraße/Lindenstraße anstatt Regelung des Abflusses der Hauptstraße durch eine abknickende Vorfahrtsregelung. Dieser Kreisel ist aus Sicht der Planer hinreichend leistungsfähig und wird dafür sorgen, dass der Verkehr aus der Hauptstraße weiterhin hinreichend Richtung Innenstadt abfahren kann, ohne diesem absoluten Vorrang einzuräumen. Gleichzeitig kann der Verkehr im Falle eines Kreisels in diesem Bereich nicht nur von der Hauptstraße, sondern von allen beteiligten Straßen, also auch von der Kaiserstraße und Lindenstraße aus, in alle Richtungen abfließen. Weiter wird mit diesem Kreisel sowie den weiter empfohlenen Kreiseln im Bereich L363/Saarbrücker Straße (Ortseingang von Ramstein aus kommend) sowie Kaiserstraße/Ludwigstraße (Pallmanns Eck) innerhalb der Stadt eine erhebliche Anzahl von unkomplizierten Wendemöglichkeiten geschaffen. 

Das Gutachten speziell für den Bereich Einbahnregelung zwischen Rathaus und Pallmanns Eck findet ihr hier: https://www.landstuhl.de/de/die-verbandsgemeinde/die-ortsgemeinden/sickingenstadt-landstuhl/stadtumbau/2021-01-13-verkehrsuntersuchung-landstuhl-einbahnverkehr-kaiserstrasse-bereich-stadthalle-stellungnahme-r-t.pdf?cid=m67

Alle Gutachten zu diesem Thema findet ihr hier: https://www.landstuhl.de/de/die-verbandsgemeinde/die-ortsgemeinden/sickingenstadt-landstuhl/stadtumbau/

Über aktuell getestete Verkehrskonzept soll nunmehr nach dem Willen seiner Befürworter nach Möglichkeit alsbald endgültig beschlossen werden. 

Aus unserer Sicht wurden die gegen dieses Modell sprechenden Argumente bislang nicht hinreichend kommuniziert und ist dieses Modell geeignet, auf Dauer der Landstuhler Geschäftswelt zu schaden. 

Aus diesem Grunde bitten wir Euch um Eure Meinung: 

1) Soll es bei dem aktuellen Modell verbleiben und dies endgültig umgesetzt werden?

2) Soll das von dem Fachbüro empfohlene Konzept umgesetzt werden? 

Antwort bitte per E-Mail an: info@fg-landstuhl.de

 

Mit freundlichen Grüßen 

 

Der Vorstand 

Fördergemeinschaft Sickingenstadt Landstuhl e.V.

Postfach 1548

66845 Landstuhl

<- Zurück zur Übersicht