Auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenzwerte in der Stadt Kaiserslautern in jüngster Zeit zu den höchsten in Rheinland-Pfalz gehören und seit Wochen weit über 100 liegen, will die Stadtspitze an dem Vorhaben festhalten und die Stadt in eine Corona-Modellkommune umwandeln. Damit will man frühzeitig die Weichen für die Zeit stellen, ab der die Sieben-Tage-Inzidenz dauerhaft unter die Schwelle von 100 sinkt und damit weitreichende Lockerungen im Leben der Menschen möglich werden. Konkret will man in einem Drei-Stufen-Modell testen, wie das öffentliche Leben, insbesondere der Besuch von Konzerten und Kinos, aber auch von Kursen in der Volkshochschule, dem Sportverein oder ein Restaurantbesuch zu Zeiten von Corona möglich werden soll.

Kernstück des Modells ist das sogenannte TuN-Konzept, was für „Testen und Nachverfolgen“ stehen soll. Das beinhaltet im Kern, dass für Menschen mit einem negativen Coronatest oder zwei Impfungen, die mindestens 14 Tage zurückliegen, schrittweise die öffentlichen Einrichtungen wieder zugänglich werden sollen, wobei diese Besuche auf elektronische Art und Weise erfasst und dokumentier werden, um die Nachverfolgung bei eventuellen Ausbrüchen der Coronakrankheit sicherstellen zu können. Das Konzept soll in der Stadt in drei Phasen schrittweise umgesetzt werden, um die nötigen Erfahrungen sowohl beim Einsatz der für die Erfassung notwendigen Hard- und Software sammeln zu können als auch – und das ist das Entscheidende an der Einführung des Konzepts – um die Akzeptanz des Procederes bei den Menschen in der Stadt zu eruieren.

Um das Konzept in die Praxis einführen zu können, werde zunächst ein TuN-Beirat ins Leben gerufen, dem Experten unter anderem aus der Verwaltung, der Medizin sowie der Technik angehörten, die sich mit ganz konkreten praktischen Fragen befassten. Gleichzeitig soll die Finanzierung aus dem Topf der „Smart Cities“ geklärt werden und mit den Firmen, Verbänden und Vereinen, die in die drei Umsetzungsphasen involviert sind, sowie mit den Kommunen im Land, die ebenfalls Modellkommunen werden wollen, ein Netzwerk aufgebaut werden, um den Austausch an Informationen sicherzustellen.
Konkret sieht das TuN-Konzept, das man in Kaiserslautern verfolgen will, vor, dass in einer ersten Testphase Theater und Kinos für den schon erwähnten Personenkreis geöffnet werden, da man davon ausgeht, dass das Ansteckungsrisiko bei bereits geimpften Menschen oder bei einem negativen und tagesaktuellen Test vernachlässigt werden könne. Gleichzeitig werde damit begonnen, die Soft- und Hardware einzurichten, wofür es später unter anderem eine App für Smartphones geben soll, die gleichsam als „Ausweis“ für den genannten Personenkreis dienen soll. Für Menschen ohne Smartphone sollen Alternativen angeboten werden, beispielsweise in der Form eines elektronisch lesbaren Schlüsselanhängers.

Danach sollen die Einrichtungen, die öffnen können, sukzessive erweitert werden, zunächst Sportstätten, um aktiv Sport ausüben zu können und die Außengastronomie. In der finalen Phase soll dann auch der Besuch der Innenräume von Gaststätten oder auch von Sportstätten als Zuschauer möglich sein.

Die Stadt hofft auf Anerkennung als Modellkommune, zumal sich Kaiserslautern in der Vergangenheit sowohl als Universitätsstandort als auch als Smart-City einen guten Ruf als wissenschaftlicher Vorreiter im Einsatz neuer computergestützter Techniken gemacht hat. (red)

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