18.09.2018 Zur Sitzung der Kohlekommission am heutigen Dienstag appelliert die Klima-Allianz Deutschland an die Bundesregierung, vermittelnd in den Konflikt um den Hambacher Wald und Zwangsumsiedlungen einzugreifen. Damit einher geht der Appell an RWE, jegliche Zerstörung im Wald zu unterlassen. Das Bündnis aus Kirchen, Betroffenen-, Umwelt- und Entwicklungsverbänden appelliert eindringlich an den Energiekonzern, die Rodungsarbeiten und weitere Zwangsumsiedlungen zumindest solange ruhen zu lassen, bis die Kohlekommission einen Fahrplan für einen Kohleausstieg erarbeitet hat und Klarheit darüber herrscht, wie viel Braunkohle überhaupt noch gefördert werden soll.

Dazu erklärt Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF: „Das von RWE geplante komplette Abholzen des Hambacher Waldes ist inakzeptabel. Wir dürfen der schmutzigen Braunkohle nicht weiter unsere natürlichen Lebensgrundlagen opfern – dafür ist der Erhalt des Hambacher Waldes zum Symbol geworden. Heute verfeuert ausgerechnet Deutschland mehr klimaschädliche Braunkohle als jedes andere Land der Erde. Das muss aufhören. Auch RWE muss sich von der naturzerstörerischen und gesundheitsgefährdenden Kohleverfeuerung lossagen und auf klimaneutrale Zukunftstechnologien setzen. Die Bundesregierung darf nicht weiter tatenlos zusehen, wie ein Unternehmen und eine Landesregierung Fakten schaffen, während in der Kohlekommission verhandelt wird, ob die Braunkohle unter dem Hambacher Wald überhaupt noch verfeuert werden darf. Bei einem Kohleausstieg entlang der Zeile des Pariser Klimaabkommens und der deutschen Klimaziele werden die genehmigten Braunkohletagebaue in Deutschland drastisch verkleinert werden müssen. Wir fordern die Bundesregierung auf, jetzt auf RWE und die NRW-Landesregierung einzuwirken, um das geplante Abholzen des Waldes zu verhindern, mindestens aber auszusetzen solange die Kohlekommission noch verhandelt.“

Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, erklärt: „Bereits heute sind die Folgen des Klimawandels hier und noch stärker in vielen Ländern des Globalen Südens sicht- und spürbar, etwa durch zunehmende Hitzewellen, Dürren oder Überschwemmungen. Insbesondere Braunkohlekraftwerke tragen wegen ihres hohen Ausstoßes an Treibhausgasen massiv zum Klimawandel und damit auch zu zum Teil verheerenden Folgen für Mensch und Mitwelt bei. Wir brauchen daher einen schnellen Kohleausstieg; und zwar nicht nur in Deutschland, sondern global.“

Miserior hat gestern seine Kampagne „Kohlestopp global“ gestartet.

Peter Immekus, 1. Vorsitzender des Netzwerks Bergbaugeschädigter des rheinischen Braunkohlenreviers, sagt: „Der sozialverträgliche Ausstieg aus der Kohleverstromung zur Umsetzung der Klimaziele von Paris gehört zu den drängendsten Aufgaben unserer Zeit. Der Strukturwandel muss so organisiert werden, dass er neue Perspektiven in den Braunkohlerevieren schafft. Bei vielen Menschen, die in der Kohleverstromung arbeiten oder von der Umsiedlung durch einen Tagebau bedroht sind, herrscht hohe Unsicherheit über ihre Zukunft. Wir brauchen jetzt eine konsequente Strategie, die den Klimaschutz entlang der Ziele des Pariser Klimaabkommens befördert, Planungssicherheit für Unternehmen und Arbeitnehmer schafft und vom Strukturwandel betroffene Menschen und Regionen gezielt unterstützt.“ (ps)

Hintergrund:

Naturschutzrechtlichen Vorschriften zufolge beginnt die Rodungssaison erst am 1. Oktober. RWE hat zudem nach Aufforderung des OLG Münster ein Stillhalteabkommen unterzeichnet, bis zum 14. Oktober keine Bäume zu fällen. Wie das DIW und andere wissenschaftliche Institute zeigen, wird ein Zugriff auf die Braunkohle unter dem wertvollen Hambacher Wald und vielen Dörfern nicht mehr nötig sein, sodass diese vor einer Zerstörung bewahrt werden können.

Die Abholzung des Hambacher Waldes ist für den WWF inakzeptabel. © Dirk Jansen

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