In den vergangenen Tagen war es nicht nur in der Westpfalz, sondern auch in anderen Teilen Deutschlands für Ende Februar rekordverdächtig warm. In Hamburg beispielsweise wurden am vergangenen Dienstag mit etwas über knapp 20 Grad die höchste Tagestemperatur für die Wintermonate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen, was man dort seit den 1930er Jahren macht.
Verantwortlich für das frühlingshaft-milde Wetter und Temperaturen, die beachtliche 30 Grad über den Tiefsttemperaturen liegen, die wir noch vor 14 Tagen in der Region hatten, sind starke Windströmungen aus südwestlichen Richtungen, die milde Luft aus Nordafrika über das Mittelmeer zu uns transportieren. Diese Luftströmungen sorgen derzeit für ein weiteres Wetterphänomen, das insbesondere bei Sonnenauf- und -untergang zu beobachten ist, reisen doch quasi Huckepack mit der warmen Luft aus Afrika in großen Höhen große Mengen feinste Staubpartikel mit, die direkt aus der Sahara stammen.
Dass der so genannte Saharastaub bis über die Pfalz und weiter geweht wird, ist eigentlich nichts Besonderes und kommt öfters im Jahr vor, ungewöhnlich sind jedoch die großen Mengen, die sich seit Anfang der Woche über Mitteleuropa verteilen und so langsam nach Osten abziehen. Wie der Deutsche Wetterdienst auf seinem Internetauftritt mitteilt, tritt diese Erscheinung höchsten ein bis zwei Mal im Jahr in der derzeitigen Intensität auf.
Regnet oder schneit es dann bei solchen Wetterlagen, färbt der Staub aus der Sahara, der außergewöhnlich eisen- und mineralreich ist, den Niederschlag rötlich-braun – die Menschen in der Vergangenheit, die naturwissenschaftlich ziemlich ungebildet waren, sprachen deshalb von Blutregen oder -schnee. Diese Bezeichnungen finden bis heute Eingang in der Boulevardpresse und der Zeitung mit den vier Buchstaben, „Blutregen über Deutschland“ lässt sich halt gut titeln.
Dabei sollten wir uns über jedes Staubkorn aus der Sahara freuen, beschert uns die Wüste in Afrika damit doch kostenlosen Mineraldünger, der dazu noch absolut umweltfreundlich ist.
Forschungsergebnisse der jüngsten Zeit belegen, dass der Amazonas-Urwald ohne den Mineraldünger aus Sahara derart üppig kaum existieren könnte. Vielmehr nimmt man an, dass der nährstoffarme Regenwald des Amazonas primär von der Sahara her aus mit Mineralstoffen versorgt wird, zumal der Staub durch die Passatwinde, die beständig von Ost nach West wehen (und mit denen Christoph Kolumbus nach Amerika segelte), ganzjährig über dem Amazonasbecken abregnen kann. Die Forschung hat ausgerechnet, dass jährlich so etwa 40 Millionen Tonnen des nährstoffreichen Staubs von Afrika nach Südamerika geweht werden.
Zudem spiele der Staub auch bei der atmosphärischen Düngung auf der iberischen Halbinsel, die deutlich häufiger als Mitteleuropa in der Flugbahn der Staubwolken liegt, eine große Rolle – daran sollte man das nächste Mal denken, wenn man eine Orange aus Spanien futtert. (red)

 

 

 

 

 

 

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