– 125 Jahre Bismarckturm auf dem Kirchberg bei Landstuhl –

Die für den kommenden Samstag geplante historische Wanderung zum Bismarckturm auf dem Kirchberg hoch über Landstuhl wird wegen der aktuell unsicheren Wetterlage auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das teilte die Stadtspitze jetzt mit: „Durch die anhaltenden Wetterbedingungen ist es leider nicht möglich, die Veranstaltung ordnungsgemäß sowie ohne Risiken und Gefahren für unsere Besucher durchzuführen. Die Sicherheit aller Beteiligten hat für uns oberste Priorität. Aus diesem Grund haben wir uns schweren Herzens zur Absage entschieden. Die Jubiläumsfeier wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben“, schreibt dazu Stadtbürgermeister Mattia De Fazio.
Der Bismarckturm auf dem Kirchberg über Landstuhl wurde am 30. Juni 1900 eingeweiht. Das 19 Meter hohe Bauwerk, von dessen Galerie aus sich ein spektakuläres Panorama über die Stadt sowie über das gesamte Landstuhler Bruch bietet, wurde in weniger als zwei Jahren überwiegend aus dem lokalen Sandstein errichtet. Die Kosten für den Turm beliefen sich vor 125 Jahren auf rund 27.000 Reichsmark, wobei der gesamte Bau vom saarländischen Montanindustriellen Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg finanziert wurde.
Ursprünglich (bis nach 1945) befand sich auf der Spitze des Turms eine eiserne Feuerschale, in der man zu bestimmten Gedenktagen ein Feuer entzündete, das weit über die Stadt und das Bruch hinaus sichtbar war – ähnlich wie heute das Kreuz, das in der Adventszeit leuchtet.
Der markante Turm auf dem Kirchberg ist einer von insgesamt 175 heute noch bestehenden Bismarcktürmen und -Säulen, die zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815 bis 1898) auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches errichtet wurden. Seinerzeit gab es im gesamten Deutschen Kaiserreich eine beispiellose Bismarck-Verehrung, an der sich neben bürgerlichen und national-konservativen Kreisen auch Teile der Studentenschaft beteiligten. Auf deren Initiative hin sollte im ganzen Deutschen Reich ein Netzwerk von einheitlich gestalteten „Bismarcksäulen“ errichtet werden – jeweils mit einer Feuerschale an deren Spitze.
Im April 1899 gewann der Architekt Wilhelm Kreis (damals Leipzig) einen dazu von der Deutschen Studentenschaft initiierten Wettbewerb mit einem den Namen „Götterdämmerung“ tragenden Musterentwurf in Form einer wuchtigen, innen besteigbaren Feuersäule. Es wurde ein Turm-Modell geschaffen, das für eine deutschlandweite „Serienproduktion“ gedacht war. Auf dessen Grundlage wurden bis 1911 47 Bismarcktürme errichtet – einer davon ist der auf dem Landstuhler Kirchberg.
In Rheinland-Pfalz gibt es heute noch zwölf Bismarcktürme, von denen insgesamt fünf nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ entworfen wurde, neben dem in Landstuhl die Türme in Bad Ems, Idar-Oberstein, Kirn und Sargenroth (Rhein-Hunsrück-Kreis). Obwohl bei diesen Türmen das gleiche Baumuster zugrunde liegt, unterscheiden sich die Bauwerke teilweise erheblich in Größe und den verwendeten Baumaterialien, wobei man vorzugsweise auf Natursteine zurückgriff, die in der jeweiligen Region abgebaut wurden. (red)

Mehr Infos über die 243 jemals errichteten Bismarcktürme und -Säulen, über ihre Baugeschichte sowie zahlreiche Bilder gibt es auf der Seite www.bismarcktuerme.net

 

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