– Stadt hat noch zahlreiche Bauplätze im „Rothenborn“ zu vergeben –

Die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen scheinen die Stadt Landstuhl bei der Vermarktung ihrer Bauplätze im Neubaugebiet „Rothenborn“ deutlich auszubremsen. Bislang haben von den 21 Grundstücken, die die Stadt auf dem Gelände an der Langwiedener Straße zu vermarkten hat, gerade einmal fünf Bauplätze den Besitzer gewechselt. Das teilte Stadtbürgermeister Ralf Hersina auf Anfrage des Westpfalz Journals mit.
Dabei sah es noch vor Jahresfrist deutlich anders aus: Die Stadt hätte damals jedes Grundstück gleich drei Mal vermarkten können, so groß war der Run auf die Neubauflächen auf dem durchaus attraktiven Areal zwischen der Reha Westpfalz und dem Bildschacherhof. Die Stadt verlangt je nach Lage im Neubaugebiet zwischen 230 und 260 Euro pro Quadratmeter für die voll erschlossenen Grundstücke, die Größen von rund 330 bis zu knapp 750 Quadratmeter haben. Das entspricht in etwa den Bodenrichtwerten, die die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte in Rheinland-Pfalz für Landstuhl ermittelt haben.
Vermarkten will die Stadt die Neubaugrundstücke insbesondere an junge Familien aus der Stadt und der Region, für die Vergabe hat der Stadtrat ein komplexes Punktesystem entwickelt, das von den Bewerbern um die Grundstücke auszufüllen ist und unter anderem Angaben zu den finanziellen und familiären Verhältnissen sowie zu den Beziehungen zur Stadt Landstuhl abfragt. „Die Bewerber für unsere Grundstücke haben überwiegend positiv auf die vorgegebene Matrix reagiert und diese ausgefüllt an uns zurückgesandt“, sagte der Landstuhler Stadtbürgermeister, der allerdings in den vergangenen Monaten die Erfahrung machen musste, dass viele junge Familien, die noch Anfang 2022 reges Interesse an einem Baugrundstück auf dem Rothenborn hatten, mittlerweile ihre Bewerbung zurückgezogen haben. Hersina: „Es ist selbsterklärlich, dass einige Interessenten auf Grund der drastisch gestiegenen Zinsen für eine Baufinanzierung sowie die deutlich höheren Baukosten von ihrem Interesse an einem Grundstück Abstand genommen haben.“
Lagen die Zinsen 2021 noch bei rund einem Prozent haben sie sich die Bauzinsen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung mittlerweile auf 3,5 bis 4,5 Prozent mehr als verdreifacht. Hinzu kommen die enorm gestiegenen Energie- und Baukosten sowie weitere Unwägbarkeiten im Bereich des Bausektors, die einen Neu- oder Umbau derzeit mit zahlreichen Risiken behaften, die dazu führen, dass viele Bauwillig derzeit lieber die Finger vom Abenteuer Hausbau lassen.
Die Problematik scheint sich zumindest mittelfristig auch nicht grundlegend zu ändern, hat doch die Bundesregierung erst neulich beschlossen, die staatliche Neubauförderung zu reduzieren – und das trotz einer Wohnungsknappheit wie unmittelbar nach Wiedervereinigung. So sollen die Zuschüsse für Häuslebauer komplett gestrichen werden und nur noch zinsgünstige Darlehen vergeben werden.
Immerhin sei man in Landstuhl derzeit noch mit einigen Interessenten im Gespräch. „Sollten am Ende noch Grundstücke verfügbar bleiben, werden wir die üblichen Medienkanäle nutzen um diese zu bewerben“, so Hersina. (Von Jürgen Link)

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