– Größte Eulenart der Welt hat auch in der Nordpfalz ein Plätzchen gefunden –

In früheren Jahrhunderten bezeichnete man den Uhu häufig als König der Nacht. Nicht nur aus der Nähe betrachtet wirkt der nachtaktive Greifvogel auf den Menschen ebenso majestätisch wie geheimnisvoll. Dazu trägt auf der einen Seite sein imposantes Erscheinungsbild bei, hat die größte Eulenart der Welt, lateinisch Buba bubo genannt, doch eine Flügelspannweite von bis zu 1,70 Metern. Auf der anderen Seite regt der charakteristische Kopf des Vogels mit seinen leuchten orangeroten Augen, sein nahezu geräuschloser Flug durch die Nacht und seine fast schon unheimlichen U-hu-Rufe schon immer die Phantasie der Menschen an.
Wegen seiner nächtlichen Lebensweise galt der Uhu im Altertum als Vogel der Unterwelt und im Mittelalter als Totenvogel, dessen erscheinen Unheil wie Krieg, Hungersnot oder das Nahen der Pest bedeutete. Das schlechte Image haftete der faszinierenden Eule bis in die Neuzeit an, Ende der 1930er Jahre hatte man den Uhu in Mitteleuropa nahezu ausgerottet, galt er doch als Jagdschädling.
Die meisten, wenn auch nicht alle, Jäger haben inzwischen ein wesentlich realistischeres Bild vom Beuteschema eines Uhus und von seiner Rolle in einem intakten Ökosystem. Dies hat, ergänzend zu gesetzlichen Schutzmaßnahmen, erheblich zur Wiederansiedelung der Eulen in den jahrzehntelang uhufreien Regionen beigetragen.
Mittlerweile hat der Uhu nicht nur den Pfälzerwald für sich zurückerobert, wo unter anderem ehrenamtliche Naturschützer aus den Reihen des NABU seit Jahren ein intensives Monitoring von Uhu, Wanderfalke und Kolkrabe durchführen und dadurch nachweisen konnten, dass die Uhu-Population im Süden der Pfalz recht stabil ist. Auch in der Nordpfalz trifft man mittlerweile bisweilen auf den Uhu, wobei sich die mächtige Eule interessante Standorte auserkoren hat.
Einer davon ist der ehemalige Steinbruch „Rauschermühle“, zirka einen Kilometer südlich von Niederkirchen unmittelbar an der L 382 gelegen. Nachdem der Granitabbau aus wirtschaftlichen Gründen Anfang der 1970er Jahre eingestellt und die technischen Anlagen zurückgebaut wurde, hat die Natur das weitläufige Areal für sch zurück erobert. Der trockene und felsige Standort bietet einer seltenen Fauna und Flora einen Rückzugsort – und die steilen sowie zerklüfteten Felswände, aus denen einst Granitsteine gesprengt wurden, ideale Voraussetzungen für einen Brutplatz des Uhu. Seit einiger Zeit hat man den Zugang in die Tiefen des Steinbruchs gesperrt, auf dem vorderen Bereich jedoch sehr gut ausgearbeitete und informative Hinweistafeln aufgestellt, die Auskunft über die ökologische Bedeutsamkeit der Industriebrache geben.
Bei einem Abstecher zum Steinbruch „Rauschermühle“ bei schönsten Ausflugswetter am Pfingstmontag konnte die Existenz zumindest eines Uhus zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der Raubvogel, wegen seiner relativ geringen Größe wird ein Männchen vermutet (die erwachsenen Uhu-Weibchen sind deutlich größer als ihre Partner) sonnte sich ganz ungeniert auf einem Felsvorsprung und war trotz seiner guten Tarnung von geübtem Auge relativ gut und schnell auszumachen.
Das galt allerdings nicht für die vermutete Partnerin des Uhu, denn der angenommene Horst blieb den Vogelbeobachtern verborgen, obwohl sie über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde die steilen Felswände des ehemaligen Steinbruchs systematisch absuchten. Das kann natürlich daran liegen, dass nicht der gesamte Steinbruch einsehbar ist sondern ein Teil hinter Büschen und Bäumen verborgen liegt. Gewissheit, ob die „Rauschermühle“ Heimat eines Uhu-Pares ist, setzt weitere Beobachtungen voraus, insbesondere in den Abend- und Dämmerungsstunden, wenn das Männchen auf die Jagd geht und das Weibchen, bei den Uhus „Weib“ genannt, Futter an den Nistplatz bringt, sofern die Niederkirchener Eulen in diesem Jahr für Nachwuchs gesorgt haben. (von J. Link)

 

(von J. Link)

 

 

 

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