– Auf abenteuerlichen Wegen zur Sprengelbrug zwischen Eßweiler und Oberweiler –
Keine Frage, die Burg Nanstein hoch über Landstuhl, die Burg Lichtenberg bei Kusel, die Burg Hohenecken oder die beiden Burgen bei Wolfstein kennt in der Region sicherlich jeder. Unser heutiger Ausflug führt uns zu einer ehemaligen Feste, die sich ebenfalls in der Region befindet, aber fast schon ein verborgenes Dasein führt, obwohl sie nur wenige Meter neben einer Straße liegt. Es geht zur Sprengelburg zwischen Eßweiler und Oberweiler im Tal. Die Ruine der frühmittelalterlichen Befestigungsanlage befindet sich unmittelbar an der L 372, die von Rothselberg nach Offenbach-Hundheim führt, auf einer Art Felsvorsprung, die vom Westhang des Königsbergmassivs in das Tal des Talbachs hineinragt. Dieser exponierten Geländeformation, die das Tal auf eine Breite von nur wenige hundert Meter verengt, verdankt die Burg wohl ihren Standort, mussten Reisende, die in dem heute noch wild-romantischen Tal unterwegs waren, die Burg wohl oder übel in unmittelbarer Nähe passieren.
Vieles, was die Historie der relativ kleinen Burg anbelangt, liegt im Dunkel der Zeit, selbst um die Zeit der Erbauung streiten sich die Historiker. Obwohl die frühesten Urkunden, in denen die Burg erwähnt wird, auf das 13. Jahrhundert datieren, verweist die Form der Burg auf eine Erbauung vor 1150. Die unsichere Quellenlage rührt sicher auch daher, dass die Anlage nur relativ kurze Zeit bestand. Burgherren waren die Ritter Mülenstein von Grumbach, die wiederum Lehensmänner der Rheingrafen in Grumbach waren. Ihren hauptsächlichen Lebensunterhalt sollten die Mülensteiner in erster Linie durch das Kassieren von Zoll verdienen, allerdings verlegten sie sich, so die historischen Quellen, zunehmend auf Straßenraub und Überfälle von Kaufleuten. Besonders mit den Kaufleuten aus Straßburg – das damals immerhin die zweitgrößte Stadt im Heiligen Römischen Reich nach Köln und dementsprechend einflussreich war – soll eine Art „Kriegszustand“ wegen vieler Überfälle geherrscht haben.
Der Lichtenberger Chronist Johannes Hoffmann schreibt dazu in der „Beschreibung des Essweiler Thals von 1595“, dass sich die Kaufleute beziehungsweise deren Söldner durch eine List Zutritt zur Burg verschafft hatten, als sich die Ritter auf einer Hochzeit in Eßweiler aufhielten. Die Burg wurde erobert, geplündert und niedergebrannt. Die Mülensteiner Burgherren, zwei Brüder, flohen daraufhin in Richtung Grumbach, wurden jedoch vor Hinzweiler eingeholt. Einer der Mülensteiner wurde dort erstochen. Der zweite Ritter konnte sich nach Grumbach retten. Die Burg wurde jedoch nicht wieder aufgebaut. Die genaue Jahreszahl der Zerstörung ist nicht bekannt, vermutet wird die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Das Gelände lag die folgenden Jahrhunderte brach, in einer Beschreibung aus dem Jahr 1884 werden noch überirdisch sichtbare Reste der Burgmauern erwähnt. Eine erste historische Ausgrabung erfolgte in den 1950er Jahren, wobei Silbergeschirr entdeckt wurde, das heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer aufbewahrt wird. 1978 und 1979 erfolgten weitere Ausgrabungen, wobei die rechteckige Anordnung der Außenmauern der Burg sowie die Lage des Turms dokumentiert wurden. Die Größe oder vielmehr die doch recht bescheidenen Dimensionen der Anlage lässt darauf schließen, dass, die Sprengelburg keine Burg im eigentlichen Sinn sondern lediglich ein gut befestigter Wachturm war. In den 1980er Jahren wurden die Mauern und der Turm auf der Basis der Ausgrabungen von 1978/79 durch die Gemeinde Eßweiler und den Heimatverein wieder aufgebaut, wobei man im Wesentlichen die Steine verwendete, die man vor Ort fand. Von der Landscheidhütte, die sich kurz hinterm Ortsausgang von Eßweiler Richtung Oberweile ebenfalls direkt an der L 372 befindet, führt ein recht abenteuerlicher Pfad über einen knappen Kilometer zur Burg. Er beginnt direkt hinter der Hütte, sein Einstieg ist eindeutig ausgeschildert. Der Pfad führt oberhalb des Talbachs, der sich in zahlreichen Mäandern sehr ursprünglich am Talgrund entlang schlängelt, direkt am Hand entlang und parallel zur Landstraße. Da der Weg an manchen Stellen recht steil ist, sollte man auf vernünftiges Schuhwerk achten. Für Kinderwagen ist der Pfad absolut ungeeignet, dafür jedoch dürften Kinder eine große Freude daran haben, sich auf dem schmalen Pfad gewissermaßen an die Sprengelburg anzuschleichen.
Die Parkmöglichkeiten an der Landscheidhütte sowie direkt an der Burg sind leider sehr beschränkt, dafür führt jedoch von Eßweiler aus ein sehr schöner Spazierweg über nur rund knapp einen Kilometer in Richtung Hütte und Burg, der Weg folgt dabei teilweise dem Talbach, der sich nach dem doch recht nassen Wetter der zurückliegenden Tage aktuell als rauschender Wildbach präsentiert.
Die Landscheidhütte wird vom Eßweilerer Heimatverein bewirtschaftet und bietet eine schöne Einkehr mit den für die Pfälzer Hütten üblichen Auswahl, ergänzt an den Sonntag-Nachmittagen durch selbst gebackene Kuchen. Die Hütte hat donnerstags von 14.30 bis 19 Uhr sowie somntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. (von Jürgen Link)













































