– Neues Bündnis startet mit “Klima-Pledge” ins Wahljahr / Klimaschutz bei allen Parteien bislang unzureichend

Berlin, 11. Mai 2021. Die größten deutschen Umweltorganisationen und Kampagnenplattformen haben sich zusammengeschlossen, um die anstehende Bundestagswahl zur Klimawahl zu machen. Unter dem Titel “Klima-Pledge: Meine Stimme für die Zukunft” wollen 13 Organisationen, darunter Fridays For Future, Campact, NABU, WWF, BUND, Deutscher Naturschutzring, Germanwatch, GermanZero, Klima-Allianz, Naturfreunde, Umweltinstitut München, Together for Future und Avaaz, die Parteien zu überzeugender Klimapolitik verpflichten.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts müssen laut dem Bündnis alle Parteien darlegen, wie sie mit ihren Wahlprogrammen das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten und dies in Regierungsverantwortung umsetzen wollen. Dabei zählten nicht nur verschärfte Langfrist-Ziele, sondern vor allem ganz konkrete Maßnahmen auf einem völlig neuen Ambitionsniveau.

Die gemeinsame Dachkampagne “Klima-Pledge” soll dabei helfen: Mit der Kampagne geben hunderttausende Bürgerinnen und Bürger das Versprechen ab, bei der Bundestagswahl die Partei zu unterstützen, die sich aus ihrer Sicht am überzeugendsten für Klimaschutz einsetzt. Sie machen damit die Wahl zur Klimawahl. Dafür sprechen sie im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der Familie über die Bedeutung der Wahl für das Klima und fordern von Parteien und Bundestagskandidatinnen und -kandidaten echten Klimaschutz ein. Sofern es das Infektionsgeschehen zulässt, sind sie bei Massenprotesten auf der Straße dabei.

Christoph Bautz, Campact-Geschäftsführer und Initiator des Bündnisses: “Wir wollen das Kalkül der Parteien umdrehen: Nicht mit zu viel Klimaschutz verliert man Wahlen, sondern mit zu wenig. Daher machen wir die Wahl zur Klimawahl und lösen ein Wettrennen zwischen den Parteien aus, wer am konsequentesten Klimaschutz liefert. Keine Partei verfügt bisher über ein Wahlprogramm, das der Dimension der Klimakrise entspricht und das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhält. Höhere Klimaziele alleine reichen nicht – jetzt braucht es konkrete Maßnahmen.”

Viviane Raddatz, WWF-Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik:  “Die schnelle Reaktion der Bundesregierung auf das Verfassungsurteil zum Klimaschutzgesetz – das ist die Magie einer Bundestagswahl. Genau jetzt achten Politiker:innen ganz besonders auf unsere Wünsche als Wähler:innen, auf die Stimmung in der Gesellschaft. Dieses Momentum müssen wir nutzen. Mit dem Klima-Pledge können wir dafür sorgen, dass alle Parteien, die unsere Stimme wollen, auch mit einer Paris-konformen Klimaschutzstrategie antreten. So wird die neue Bundesregierung schon ab Tag eins in der Lage sein, mit der konkreten Umsetzung zu beginnen.“

Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident: “Natur- und Klimaschutz brauchen bessere politische Entscheidungen! Und zwar ganz unabhängig davon, wer gerade regiert. Bei dieser Wahl geht es um wirksame Maßnahmen zum Schutz von Klima und Biodiversität. Nur eine intakte Natur mit gesunden Wäldern und Böden, sauberem Wasser, reiner Luft und großer Artenvielfalt sichert unsere Lebensgrundlagen. Jede heute nicht gut getroffene Entscheidung führt dazu, dass die Handlungsspielräume für künftige Generationen kleiner werden. Wer jetzt mit uns seine Stimme der Natur verspricht, sagt auch: Liebe Parteien, überzeugt mich bis zur Wahl, dass Ihr es ernst meint – nicht nur durch ambitionierte Ziele, sondern durch Handlungen.”

NABU zum Petersberger Klimadialog: Jetzige Regierung muss noch handeln!
Krüger: Dreiviertel der Zeit verbraucht, um die Hälfte des Klimaziels zu erreichen.

Berlin – Den Abschluss des 12. Petersberger Klimadialogs – dem letzten von Angela Merkel als Bundeskanzlerin – kommentiert NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger wie folgt:

„Seit über 30 Jahren redet die Politik darüber, die CO2-Emissionen zu senken. Auch die 16 Jahre „Klima“-Kanzlerschaft von Angela Merkel haben zu wenig gestalterische Kraft entfaltet. Seit 1990 wurden die CO2-Emissionen in Deutschland um etwas über 35 Prozent reduziert. Wir haben also Dreiviertel der Zeit verbraucht, um ungefähr die Hälfte des Ziels zu erreichen. Dank des Karlsruher Urteils geht aktuell ein Ruck durch die Bundesregierung – jetzt muss die Große Koalition endlich handeln, um noch auf die Zielgerade zu kommen.“

Mit mehr als 820.000 Mitgliedern und Fördernden ist der 1899 gegründete NABU der mitgliederstärkste Umweltverband Deutschlands. Der NABU engagiert sich für den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. Zu den zentralen NABU-Anliegen gehören auch die Vermittlung von Naturerlebnissen und die Förderung naturkundlicher Kenntnisse. Mehr Infos: www.NABU.de/wir-ueber-uns

NABU-Studie: Ressourcen sparen, Natur schützen – so sieht nachhaltiges Wirtschaften der Zukunft aus

Krüger: Einseitige Produktion und Nutzung nachwachsender Rohstoffe kann Arten- und Klimakrise verschärfen / Ökosysteme müssen mitgedacht werden.

Berlin – Um die Erde nicht über die Grenzen ihrer Belastbarkeit zu bringen, gilt es die globalen CO2-Emissionen und den Ressourcenverbrauch deutlich zu reduzieren. Lösung hierfür bietet die Bioökonomie, also ein auf nachwachsenden Rohstoffen basierendes Wirtschaftssystem. Eine neue Studie des Internationalen Instituts für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien (IINAS) im Auftrag des NABU zeigt, wo die Potenziale für eine nachhaltige Nutzung von Rohstoffen am größten sind. Darüber hinaus präsentieren die Autorinnen und Autoren mit dem ganzheitlichen Lösungsansatz „BioWEconomy“, wie nachhaltiges Wirtschaften in Zukunft aussehen könnte.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Ein Wirtschaftssystem, das auf nachwachsende Rohstoffe setzt, entlastet nicht zwangsläufig die Natur und Umwelt. Eine einseitige und unkontrollierte Nutzung könnte die Klima- und Artenkrise sogar noch verschärfen. Unsere Ökosysteme müssen in der Bioökonomie daher unbedingt mitgedacht werden. Wir brauchen ganzheitliche Lösungen, bei denen nicht nur technische Innovationen, sondern auch Natur und Gesellschaft miteinbezogen werden. Entscheidend ist hierbei, unseren Ressourcenverbrauch deutlich zu reduzieren, um unsere Erde nicht über ihre Grenzen hinaus zu belasten. Die Studie präsentiert hier konkrete Handlungsspielräume und zeigt, wie nachhaltiges Wirtschaften in Deutschland und Europa zukünftig aussehen könnte.“

Die Autoren und Autorinnen der Studie nennen fünf wichtige Stellschrauben für eine naturverträgliche und nachhaltige Bioökonomie:

  1. Maximal Biomassemenge anhand der Belastungsgrenze der Erde festlegen
  2. Anbausysteme, die die Artenvielfalt fördern, vorantreiben
  3. Die Natur in Ökosystemen wiederherstellen (als natürliche CO2-Senken und biodiversitätsreiche Lebensräume)
  4. Konventionelle Ernährungs- und Konsumgewohnheiten umstellen und den Futtermittelverbrauch deutlich senken
  5. Bereits entnommene Rohstoffe effizient nutzen (bspw. Mehrfachnutzung, etwa von Neben- und Abfallprodukten (Kaskaden) und Recycling)

Darüber hinaus entwerfen die Autorinnen und Autoren das ganzheitliche Konzept einer „BioWEconomy“ – einen fachübergreifenden Austausch, um systemische Zusammenhänge zu verstehen und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. Als Grundvoraussetzung hierfür müsste in Deutschland zunächst ein verbindlicher Rechtsrahmen geschaffen werden, um alle Regelungen unter dem Dach eines Bioökonomie-Gesetzes zu vereinen. Nationale Nachhaltigkeits-Maßnahmen, etwa bei Bau, Biodiversität, oder der Forst- und Landwirtschaft, könnten so integrierend gesteuert werden.

Hintergrund:

Die Bioökonomie zielt darauf ab, einen Großteil der weltweit verwendeten fossilen Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas durch alternative Rohstoffe zu ersetzen. Hierzu dienen nicht nur Pflanzen, Holz und Nutztiere, sondern auch organische Reststoffe, Mikroorganismen, Algen oder Insekten.

Kurzstudie „Zukunftsfähige Bioökonomie“

http://imperia.verbandsnetz.nabu.de/imperia/md/content/nabude/biooekonomie/210505_nabu-iinas_biooekonomie-studie.pdf

Weitere Infos zu Bioökonomie und nachhaltigem Wirtschaften:

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/nachhaltiges-wirtschaften/

Infografiken zur Bioökonomie

https://bilddatenbank.nabu.de/Login.jsp?colID=ItgajHK4

Mehr Infos & Pressefotos

www.NABU.de/presse

Mit mehr als 820.000 Mitgliedern und Fördernden ist der 1899 gegründete NABU der älteste und mitgliederstärkste Umweltverband Deutschlands. Der NABU engagiert sich für den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. (ps)

Foto: Pixabay

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