Die Stadtratsfraktion DIE LINKE – PARTEI stellt am 17. Mai 2021 den Antrag die Benennung des sogenannten Winzler-Tor-Platzes nach Walter Slodki zu beschließen, damit die Verwaltung, die entsprechenden Vorbereitungen treffen kann.

Die Benennung des Platzes nach dem ehemaligen jüdischen Mitbürger und Gönner der Stadt Pirmasens sollte noch vor der Sommerpause erfolgen.

Seit vielen Jahren ist die Benennung des sogenannten Winzler-Tor-Platzes nach Walter Slodki im Gespräch, aber bisher nicht umgesetzt worden. Letztmalig war die Benennung des Platzes nach Walter Slodki nach der Fertigstellung des Spielplatzes am Winzler-Tor von Dezernent Clauer in Aussicht gestellt worden.

Walter Josef Slodki wurde am 26. April 1914 in Pirmasens geboren. Sein Vater Markus Slodki war der letzte Kantor der jüdischen Gemeinde in Pirmasens, bevor die Synagoge am 10. November 1938 von den Nazis in Brand gesteckt wurde. Er starb am 30. Mai 1939. Walter Slodkis Mutter Bertha wurde am 19. November 1884 in Walldorf bei Heidelberg geboren. Bertha Slodki wurde 1941 im KZ Riga-Jungfernhof ermordet. Familie Slodki lebte in der Zweibrückerstraße 40. Dort wurde innerhalb des Gedenkprojekts der Stadt Pirmasens eine Gedenktafel für Bertha Slodki angebracht.

Walter Slodki legte 1933 an der Oberrealschule (heute Leibniz-Gymnasium) das Abitur ab. Bis 1936 arbeitete Walter Slodki als Kaufmann bei der Maschinenfabrik Schön & Cie in der Teichstraße. Er war Mitglied des TVP und soll ein guter Sportler und Handballer gewesen sein. Zwischen 1937 und 1939 leitete Walter Slodki eine Werkzeugmaschinenfabrik in Berlin. Am 1. April 1939 ist Walter Slodki noch einmal in seine Heimatstadt Pirmasens zurückgekehrt, um am darauffolgenden Tag über Amsterdam und Liverpool nach New York in die USA zu emigrieren. Während des 2. Weltkriegs gehörte er der US-Army an. Walter Slodki starb am 8. Januar 2013 in New York.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs hat sich Walter Slodki für die notleidende Pirmasenser Bevölkerung eingesetzt und ab 1948 zahlreiche Care-Pakete an Freunde und Bekannte in Pirmasens verschickt. 1953 kehrte Walter Slodki zum ersten Mal nach dem Krieg nach Pirmasens zurück und besuchte die Pirmasenser Maschinenmesse. Sein unermüdliches Engagement und seine guten Kontakte in  der Maschinenbranche trugen maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Pirmasens in den Nachkriegsjahren bei. Ab 1967 wurde Walter Slodki als Fachreferent zu Schuh-, Leder- und Maschinenmessen nach Pirmasens eingeladen und war über viele Jahre der Motor und Wegbereiter des Pirmasenser Maschinenexports in die USA.

1966 stiftete Walter Slodki den Slodki-Preis für die besten Abiturienten des Leibniz-Gymnasiums Pirmasens dotiert mit einem Geldpreis und einer Silbermedaille. Der Preis wurde jährlich bis 2016 verliehen. 1984 spendete Walter Slodki 2000 DM für die Begrünung des Winzler-Tor-Platzes, der daraufhin von der Stadtverwaltung mit Bäumen bepflanzt wurde. In den Folgejahren spendete Walter Slodki weitere großzügige Beträge, u.a. dem Leibniz-Gymnasium und der Stadt Pirmasens.

1986 wurde Walter Slodki die Landgrafenmedaille und anlässlich der Internationalen Schuh-Messe 1988 die Stadtehrenplakette in Bronze verliehen. Bis ins hohe Alter besuchte Walter Slodki immer wieder gerne seine Heimatstadt, privat oder auf Einladung von Firmen. Von offizieller Seite wurde Walter Slodki als Verfolgter des Nationalsozialismus nicht zu einem Besuch der Stadt Pirmasens

eingeladen. Das Schicksal der jüdischen Familie Slodki und das durch die Nazis erfahrene Leid wurde erstmalig von Otmar Weber thematisiert und im Buch „Juden in Pirmasens – Spuren ihrer Geschichte“ im Jahr 2001 veröffentlicht. Als der damalige Oberbürgermeister Krekeler im Jahr 2002 dieses Versäumnis ausräumen wollte und Walter Slodki als Opfer des Nationalsozialismus nun endlich anerkennend nach Pirmasens einlud, war es zu spät. Walter Slodkis Gesundheit war bereits so sehr angeschlagen, dass er die weite Reise nicht mehr antreten konnte.

Walter Slodki war ein großer Mensch. Voller Güte, und trotz des erlittenen Schicksals der Verfolgung, Erniedrigung und der Ermordung seiner Mutter und vieler Freunde und Verwandten durch die Nazis, blickte Walter Slodki stets nach vorne und war im besten Sinne ein Botschafter der Versöhnung. Trotz tiefer Betroffenheit und großem Leid waren ihm Schuldzuweisungen oder Gedanken an Vergeltung fremd. Ganz im Gegenteil, hat Walter Slodki seine Heimat und die hier lebenden Menschen immer geliebt und nie vergessen. Sein soziales Engagement für die Stadt Pirmasens und sein persönliches Verdienst beim Wiederaufbau der Pirmasenser Schuhindustrie können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Persönliche Wertschätzung hat er zu Lebzeiten dafür vor allem von Otmar Weber und Mitgliedern des Arbeitskreises Geschichte der Juden in Pirmasens erfahren.

Die Würdigung des Walter Slodki durch die Stadt Pirmasens und die Benennung des Winzler-Tor-Platzes nach ihm sind längst überfällig.

Zeitzeugen, die Walter Slodki als Pirmasenser Bürger noch kannten, wird es wohl keine mehr geben. Dafür wurde die Zeit gerade Zeuge, wie nur 80 Jahre nach dem Menschheitsverbrechen eine Pirmasenser Schule nach einer Familie benannt wurde, die eng mit dem Nationalsozialismus verbunden war und deren Aufstieg zum Weltkonzern ohne die Nazis undenkbar gewesen wäre.

Das ist beschämend. Und dennoch sind wir aufgefordert und verpflichtet, dieser Geschichtsvergessenheit immer wieder entgegen zu treten.

Für die Stadtratsfraktion DIE LINKE – PARTEI: Frank Eschrich, Vorsitzender und Brigitte Freihold, Florian Kircher, stellv. Vorsitzende.

 

 

 

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