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Mit Sickingen vom Nanstein zur Grimburg

von Karl Pfaff

Vor 490 Jahren zog der streitbare Franz von Sickingen auf seinem Fehdeweg nach Trier durch das Mandrill- und Mühlenbachtal. Als Zwischenziel für seine etwa 10000 Mannen hatte er sich die weiträumigste der kurtrierischen Landesburgen, die Grimburg vorgenommen. Im Jahr 1522 gelang es seinen Mannen die Festung kampflos einzunehmen. Wie es dazu gekommen sein soll, berichtet eine Sage im Hochwald, die Karlheinz Schauder beschreibt:

Danach gab es in der Umgebung einen Ritter mit schwarzem Harnisch, der die Burg genau kannte, da er in ein dort lebendes Fräulein verliebt war. Dieser Ritter, der im Dienste des Trierer Kurfürsten gestanden hatte, war zu Sickingen übergelaufen. Er überredete seine Angebetete, eine kleine Mauerpforte offen zu halten. Durch diese List konnten einige von Franzens Knechten ungehindert eindringen, die Wachen überwinden und ihm das Haupttor zu öffnen. Dem Verräter und dem Burgfräulein wurde nach dem Tode das Schicksal zuteil, ruhelos bis heute hin und wieder in der Nacht als weiße Frau und schwarzer Ritter in der Burg umher zu irren.

Auch heute ist die Anlage ein lohnenswertes touristisches Ziel.

Ihr Entstehungsalter  basiert auf dem gleichen Zeitraum Ende des 12. Jahrhunderts wie der Nanstein und teilt ähnliche Schicksale der Zerstörung im Laufe der Jahrhunderte. Nahezu 500 Jahre lang war sie Verwaltungssitz und Gerichtsstandort des nach ihr benannten Amtes Grimburg. Kaiser Maximilian weilte 1512 hier zur Falkenjagd.

Die Burg erlitt im Dreißigjährigen Krieg starke Beschädigungen. Danach wurde sie aufgegeben. Die mächtige Anlage war dem Verfall preisgegeben und diente den umliegenden Ortschaften als bequemer Steinbruch.

Seit dem Jahre 1978 bemüht sich der Förderverein Burg Grimburg in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Verbandsgemeinde Hermeskeil und der Ortsgemeinde Grimburg um die Freilegung, Ausgrabung, Sicherung und den teilweisen Wiederaufbau der Burgruine.

Heute erschließen sich dem Besucher vom Bergfried aus weiträumige Blicke in die unbesiedelten Täler und alten Mischwälder. Es lässt sich erahnen, wie anrückende Feinde rasch gesichtet werden konnten, denn die Lage auf einem hohen Felssporn gab einen großen Schutz. Vom 2 km entfernten Ort Grimburg lässt sich auf dem Höhenzug eine schöne Wanderung machen, der auch mit dem PKW befahrbar ist. Im Unterschied zu manch anderer Befestigungsanlage sind die einzelnen Burgbereiche jederzeit begehbar. Im Eingangsbereich finden sich feste Bankreihen für eine zünftige Vesper mit Grillmöglichkeit. Auch Sanitäreinrichtungen sind  außerhalb der Kernzeiten ganztägig geöffnet. Die Anlage wirkt sehr aufgeräumt, nirgends sind Spuren von Vandalismus zu sehen. Anscheinend wird der historische Ort gut angenommen. Vielleicht achten auch nachts die „weiße Frau und der schwarze Ritter“ heimlich und streng darauf, dass die Gäste in alter Tradition liebevoll empfangen werden können. Wer die Erinnerung an Sickingens historische Streifzüge aufleben lassen möchte, findet hier ein überaus schönes Ziel.

Im Ort selbst findet sich das Burg- und Hexenmuseum, auch die Gastronomie ist vertreten.

Eine nahezu ähnliche Situation hat sich bei der Landstuhler Burg über die Jahrhunderte entwickelt. Auch diese Ruine wurde in den 70-ger Jahren durch fleißige Heimatfreunde, allen voran Theo Schohl, zu einem belebten Ort des Tourismus entwickelt. Zahlreiche regionale und überregionale Kulturveranstaltungen schauspielerischer, musikalischer und volkstümlicher Art werden geboten. Die Stadt hat sich im Jahre 1995 den Zusatz „Sickingenstadt“ im Ortsnamen gesichert. Alljährlich am 7. Mai findet ein Franz von Sickingen Todesgedenken im Burghof und in der Sterbekammer statt.

Dort wurde er 1523, ein Jahr nach der Trierer Fehde von eben jenen Truppen des Kurfürsten von Trier selbst belagert und fand durch einen herabstürzenden Balken den letzten Rittertod. Schade, dass sich kein heimliches Hintertürchen angeboten hatte, kampflos in die Burg zu gelangen. Vielleicht wäre bei einem kräftigen Schluck Moselwein eine diplomatische Lösung erreichbar gewesen. So starb mit ihm auch das mittelalterliche Rittertum aus. Die Burg liegt oberhalb des Städtchens Landstuhl und ist von Autobahn aus gut sichtbar. Historische Erinnerungen sind im Zusammenhang mit dem Adelsgeschlecht der Sickinger viele zu finden. 

 

Bilder: Karl Pfaff

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